Sehr zur Freude der vielen Schrottimmobilien-Käufer, die im Augenblick keinen Ausweg mehr sehen als Privatinsolvenz und Zwangsversteigerung. Ein normaler Weiterkauf ist wegen der überhöhten Preise beim Erstkauf aussichtslos.
Zehntausende Arbeiter, Angestellte und Beamte ohne Eigenkapital aus ganz Deutschland sind den Kaltanrufen und Drückerkolonnen auf den Leim gegangen und haben sich eine vollfinanzierte Eigentumswohnung aufschwatzen lassen, die sich durch Steuervorteile und hohe Mieten fast von selbst bezahlen würde. Den Reibach machten die Bauträger, die die Wohnungen für 200 bis 300 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche sanierten und für 1.600 bis 2.200 Euro pro Quadratmeter verkauften, sowie die Vertriebe, die bis zu 35 Prozent an Provision kassierten. Und natürlich die Banken, an die die Käufer für eine 100.000 Euro Finanzierung am Ende ihres Arbeitslebens 230.000 Euro zurückzahlen.
BILD Leipzig schrieb letztes Jahr über die Schrottimmobilien-Szene Leipzigs: “Kauft man eine 70-Quadratmeter-Wohnung für 100.000 Euro, müsste sie über 7 Euro Miete pro Quadratmeter erzielen, um nach 14 Jahren abgezahlt zu sein. Der Berliner Rechtsanwalt Jochen Resch sagte der Zeitung: “Doch in Neustadt-Schönefeld, Volkmarsdorf oder Altlindenau liegen die Mieten bei 3.50 Euro – wenn man überhaupt einen Mieter findet.” Die Wohnung hätte also nur 50.000 oder 60.000 Euro kosten dürfen. Aber das wisse kein Berliner, Münchener oder Rostocker.
Wie sollen nun die hereingefallenen Käufer einen Richter davon überzeugen, dass man sie übers Ohr gehauen hat, wenn doch der Immobilienmarkt in Leipzig zu 95 Prozent von den Bauträgern beherrscht wird und es gar keine anderen Preisangaben als die von den Bauträgern zum Vergleichen gibt?
In Leipzig konnte sich ein normaler Immobilienmarkt von privat zu privat gar nicht erst ausbilden, weil die gekauften Wohnungen praktisch unverkäuflich waren. Die angeschmierten Käufer mussten nämlich auf dem freien Markt feststellen, dass sie für ihre Wohnungen maximal die Hälfte der gezahlten Preise erzielen würden.
Denn der Diktatpreis der Bauträger entspricht durch die Bank weg dem 35- bis 40fachen der Jahres-Nettokaltmiete. So rechnet aber kein Kapitalanleger in Deutschland. Der Höchstpreis für eine fremdvermietete Wohnung liegt bei der 14fachen Jahresnettokaltmiete. Der Käufer einer 100.000 Euro Immobilie in Leipzig bekäme also bei einem Weiterverkauf maximal 50.000 bis 60.000 Euro und müsste dann die restlichen 40.000 bis 50.000 Euro noch einmal bar auf den Tisch legen, um aus dem Kreditvertrag herauszukommen. Das schafft kaum einer der Betroffenen.
Die Käufer sitzen in der Falle: Gekauft ist gekauft. Es sei denn, man könnte die Sittenwidrigkeit der abgekarterten Preise in Leipzig den Bauträgern, Vertrieben und Banken nachweisen.