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24.03.2011, ZEIT ONLINE - Tina Groll

ZEIT ONLINE - 24.03.2011 - VOLKSSOLIDARITÄT - Auf Kosten des Volkes

Sie vertrauten auf das Image der Volkssolidarität, nun stehen sie vor dem finanziellen Ruin: 1600 Senioren verloren durch Immobilienfonds ihre Ersparnisse. VON: Tina Groll | 24.3.2011 - 11:47 Uhr

Dreimal in seinem Leben habe er alles verloren, sagt Hans Feldmann. 74 Jahre ist er alt. Noch gut erinnert er sich, wie der Zweite Weltkrieg seiner Familie die Existenz raubte, nach der Wende war die wirtschaftliche Situation schwierig und jetzt hat er mit Immobilienfonds der Volkssolidarität seine Ersparnisse verloren. Die Volkssolidarität ist die einzige Massenorganisation der DDR, die bis heute als größter Wohlfahrtsverband in den ostdeutschen Bundesländern fortbesteht. Hans Feldmann ist verbittert. Und enttäuscht. "50 Jahre lang war ich Mitglied in der Volkssolidarität. Die waren immer da, auch nach der Wende noch. Ich habe denen vertraut!", sagt er. Jetzt ist auch sein Sterbegeld futsch und der gemeinnützige Verband teilt ihm nüchtern mit, dass er ihm leider nicht helfen könne.

Wie Feldmann geht es 1600 weiteren Senioren, die ihr Geld in zwei mittlerweile insolvente Immobilienfonds der mecklenburgischen Volkssolidarität-Kreisverbände investiert hatten. Die Fonds – der Volkssolidarität Sozial-Immobilienfond GmbH & Co KG (VS-Fonds) und der Volkssolidarität-Sozialimmobilienfondsgesellschaft mbh (VSI) –  waren rechtlich unabhängige Gesellschaften. Seit Ende 2009 sind sie pleite. Es geht um eine Schadenssumme von neun Millionen Euro. Was mit dem Geld geschehen ist, soll nun vor Gericht geklärt werden. Die Staatsanwaltschaft ermittelt bereits seit Monaten. Das Gericht soll auch klären, welche Schuld der Wohlfahrtsverband an dem Betrug hat. Für die Organisation steht einiges auf dem Spiel: Es geht um ihre Glaubwürdigkeit und möglicherweise auch um ihre Gemeinnützigkeit. Denn auch wenn die Fonds rein rechtlich vom Wohlfahrtsverband abgekoppelt waren, gab es entscheidende personelle Verflechtungen zwischen den Gesellschaften und hochrangigen Verbandsfunktionären. So war beispielsweise der Geschäftsführer des Volkssolidarität-Kreisverband Bad Doberan, Amandus Krüger, auch der Geschäftsführer des VSI-Fonds, und der Vizevorsitzende des Kreisverbandes Mecklenburg-Mitte, Lothar Viereck, Aufsichtsratsvorsitzender des Fonds. Entscheidend für das Verfahren ist die Frage, ob es auch personelle Verflechtungen bis in den Bundesverband gab und ob dieser Kenntnis davon hatte, dass die Insolvenz verschleppt wurde.

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