Der Schatzmeister der Anwaltskammer und sein Amtskollege bei der Notarkammer lassen ihre Ämter ruhen. Joachim Börner und Frank Leithold sehen sich ebenfalls dem Vorwurf ausgesetzt, als Notare daran beteiligt gewesen zu sein, wenn Anleger mittels windiger Immobiliengeschäfte übervorteilt wurden. Über ihre Anwaltskanzlei ließen sie gestern die Vorwürfe zurückweisen. "Im Zusammenhang mit der Beurkundung der Immobiliengeschäfte (...) haben sich die Notare Leithold und Börner absolut korrekt verhalten", heißt es in einem Schreiben.
ANWALTSKAMMER NICHT ZUSTÄNDIG
Die erhobenen Vorwürfe ähneln denen gegen Braun: Auch die Schatzmeister sollen als Notare ihrer Aufklärungs- und Schutzpflicht gegenüber Kunden nicht ausreichend nachgekommen sein. Der Anleger-Anwalt Jochen Resch vertritt nach eigener Aussage mehrere Hundert Anleger, die sich um ihr Geld gebracht fühlen und versuchen, von Börner und Leithold beglaubigte Verträge rückgängig zu machen.
Die Präsidentin der Berliner Rechtsanwaltskammer, Irene Schmid, betonte, ihre Standesvertretung sei für die Aufklärung der Vorwürfe gegen ihren Schatzmeister nicht zuständig, da diese seine Tätigkeit als Notar beträfen. "Wir danken Herrn Dr. Börner, dass er sein Amt als Schatzmeister der Rechtsanwaltskammer Berlin ruhen lässt, bis die gegen ihn erhobenen Vorwürfe aufgeklärt sind", sagte Schmid.
Die Notarkammer war am Montag zu einer außerordentlichen Sitzung zusammengetreten. Man habe die Vorwürfe zur Kenntnis genommen, ließ der Geschäftsführer der Kammer, Andreas Krahl, im Anschluss mitteilen. Über Einzelheiten der Vorwürfe sei die Kammer nicht unterrichtet. "Die Notarkammer Berlin wird den Vorwürfen und Beschwerden ohne Ansehen der Person nachgehen", hieß es. Die Kammer sehe es als ihre Aufgabe an, sich für eine lautere Berufsausübung der Notare einzusetzen. Man sehe sich daher nach den aktuellen Vorfällen in dem Anliegen bestätigt, die Standesrichtlinie zu verschärfen. In anderen Bundesländern sind die Regelungen für die Beurkundung von systematisch in Angebot und Annahme gespaltenen Verträgen strikter als in Berlin.
Pikant sind die Vorwürfe im besonderen Maße für die Notarkammer. Leithold war hier nicht nur als Schatzmeister, sondern auch als Vorsitzender der Beschwerdeabteilung tätig. Rückendeckung erhielten Börner und Leithold vom Vorsitzenden des Berliner Anwaltsvereins, Ulrich Schellenberg. Er forderte den Anleger-Anwalt Resch am Montag auf, die Vorwürfe gegen einzelne Notare zu präzisieren. Diese seien "bislang nicht hinreichend deutlich geworden".