Steuernsparen - ein Unwort

"Ich schlage Ihnen ein Geschäft vor. Sie geben mir 1.000,00 Euro und ich gebe Ihnen 250,00 Euro zurück!"

Dieses scherzhafte Angebot macht Rechtsanwalt Jochen Resch seinen Mandanten in den Erstterminen. Natürlich will keiner dieses tolle Geschäft machen. „Ich muss meine Frage neu formulieren. Wollen Sie € 250,00 von mir haben?“ Meist nicken die Mandanten. Sie ahnen aber, dass das Angebot nur die halbe Wahrheit ist. Richtig! „Dann müssen sie mir € 1.000,00 geben!“

An diesem einfachen Beispiel ist leicht deutlich zu machen, was Steuernsparen bedeutet. Es ist ein Unwort. Eine Verdrehung von Tatsachen. Das Gegenteil von sparen ist die Konsequenz. Man hat echte Verluste aus „Vermietung und Verpachtung“ und bekommt in Höhe des persönlichen Steuersatzes eine Minderung der Steuerlast. Wenn man € 1000,00 steuerlich absetzbare Verluste hat, bekommt man bei einem Steuersatz von 25 % € nur  € 250,00 vom Finanzamt zurück.

Und dann wird von pfiffigen Vertrieben damit geworben, dass man diese „gesparten“ € 250,00 noch als Freibetrag auf der Lohnsteuerkarte eingetragen bekommen kann. Ein großartiges Geschenk. Leider nur zu teuer bezahlt.

Das Wort Steuernsparen sollte aus dem Sprachgebrauch gestrichen werden. Weniger Steuern zahlen muss man nur, wenn sich das Einkommen durch die Verluste, genauer gesagt durch die steuerlich anerkannten Verluste, mindert. Auf weniger Einkommen muss man weniger Steuern bezahlen. Optimale Steuerstrategien wären mithin auch die Arbeitslosigkeit oder Rente. Oder man kauft sich eine Immobilie mit so hohen Verlusten, dass man daran wirtschaftlich zerbricht. Dann ist der glückliche Steuerzahler pleite und hat alle seine Steuern gespart.

Vielleicht sind solche absurden Übertreibungen notwendig, um die Augen vor dem gefährlichen Wort „Steuernsparen“ zu öffnen. Steuernsparen kann man nur, wenn man Verluste macht. Ein Verlustgeschäft ist ein schlechtes Geschäft.