Was ist ein Steuersparmodell? Erfahrungen eines Anlegerschutz Anwaltes

Das "Steuersparmodell" ist eingeläufiger Begriff für den Vertrieb von Schrottimmobilien. Risiko bis zum Ruin.

Mit der Frage „Möchten Sie Steuern sparen?“ werden meist per Telefon ahnungslose Menschen kontaktiert. Leider haben die allerwenigsten eine Vorstellung davon, was Steuernsparen bedeutet. Das Wort „Steuernsparen“ ist ein Nonsens-Wort. Man kann keine Steuern sparen. Man kann lediglich weniger verdienen.


Das Einkommensminderungsprinzip
Wohl jeder weiß, dass die Steuerlast von dem Einkommen abhängt. Wer weniger verdient, zahlt weniger Steuern. Eine Binsenweisheit. Das Prinzip des „Steuersparen“ beruht also darauf, dass man bestimmte Kosten, die Zinsen für ein aufzunehmendes Darlehen, die sogenannten Hausgelder zur Erhaltung der Immobilie, bei denkmalgeschützten Immobilien auch Sonderabschreibungen, von seinem Jahreseinkommen abziehen kann. Eventuelle Mieterträge erhöhen das Einkommen entsprechend.


Letztlich führt das geringere Einkommen dazu, dass weniger Steuern gezahlt werden müssen. Natürlich nicht in der Höhe, wie die Einkommensminderung, sondern nur nach dem entsprechenden Steuersatz. Das Steuernsparen setzt also immer Verluste voraus, nie einen Gewinn. Gewinn erhöht die Steuerlast.
Als letzte „Steuersparmodelle“, die einen gewissen Effekt ausmachen, sind lediglich die sogenannten denkmalgeschützten Immobilien verblieben. Hier gibt es für einen Zeitraum von maximal 12 Jahren die Möglichkeit, die Sanierungskosten steuerlich abzusetzen. Man macht in einem gewissen Umfang „Buchverluste“.


Der Reiz des Steuersparens
Trotzdem hat das Wort Steuernsparen für den normalen Bürger einen ganz starken Reiz. Oft ist das einzige Motiv, eine Eigentumswohnung zu kaufen.
Bei den Verkaufsgesprächen geht es also nicht um den Erwerb einer Eigentumswohnung, sondern um den Steuerspareffekt. Die Wohnung wird lediglich als Mittel zum Zweck beschrieben. Daraus erklärt sich, warum auch lebenserfahrene Menschen sich Schrottimmobilien aufschwatzen lassen, die sie in die Gefahr eines persönlichen Ruins bringen können.


Für einen Außenstehenden ist es schwer zu verstehen, wie man eine Immobilie kaufen kann, die man vorher nicht gesehen hat. Wer einmal in dieser Situation gewesen ist, versteht, dass die Eigentumswohnung als eine Nebensache behandelt wird, die nur dazu dient, diesen Steuerspareffekt auszulösen.


Es ist ja „nur“ ein Steuersparmodell
Aus Prozessen gegen Vertriebsmitarbeiter und einen beurkundenden Notar in Berlin im Jahr 2012/2013 wurde auch der Öffentlichkeit deutlich, dass viele Erwerber selbst nach dem Notartermin noch nicht wussten, dass sie eine Wohnung gekauft hatten. Ihnen war nur in Erinnerung, dass sie sich an einen  Steuersparkonzept beteiligen. Der Staat fördere die Schaffung von Wohnraum. Daran beteilige man sich.


Den Erwerbern wurde erzählt, dass sich das Steuermodell durch die steuerlichen Vergünstigungen und die Mieteinnahmen von alleine trage. Nach 10 Jahren würde man mit Gewinn wieder verkaufen. Dieses Steuersparmodell wird auch als „staatliche Förderung“ beschrieben, die jeder nutzen könne. Der Vertrieb arbeitet mit dem Begriff der staatlichen Förderung in dem Sinne, dass seine Aufgabe sei, die staatlichen Förderungsmöglichkeiten auch dem Normalbürger zu erschließen. Am Ende hat alles nur den Zweck, dem Interessenten eine Immobilie aufzuschwatzen.


Kredit läuft über 30 Jahre. Die Folgen sind oft ruinös.
 Wenn eine Fremdfinanzierung stattfindet, laufen die Kreditverpflichtungen oft über mehr als 30 Jahre. In diesem Zeitraum ist für Zins und Tilgung mehr als das Doppelte des ursprünglichen Darlehensbetrages aufzubringen. Die Folgen für das Leben des Käufers sind unüberschaubar.


„Der Größte Fehler in meinem Leben!“
Als Rechtsanwalt Jochen Resch sich 1986 auf den Schutz geschädigter Kapitalanleger spezialisiert hat, war das Steuersparmodell der Anlass für die Fokussierung auf das Thema Anlegerschutz. In all den Jahren seither gab es keinen Fall, wo ein Anleger erklärt hat, dass er ein derartiges Geschäft noch einmal machen würde. Alle Anleger, und es sind über die Jahrzehnte viele tausend geworden, sehen den Erwerb eines Steuersparmodells als den größten Fehler ihres Lebens an.


Rechtlich gibt es durchaus Möglichkeiten, den Schaden wieder gut zu machen. Der Verkäufer haftet für die Falschberatung auf Rückabwicklung und vollen Schadensersatz.

Die Banken, ohne deren Finanzierung dieses ganze Steuersparmodell gar nicht möglich gewesen wäre, werden durch die Rechtsprechungen des Bundesgerichtshofes geschützt. Alle Versuche, die Banken in die Haftung zu nehmen, sind mehr oder weniger gescheitert. Für den Gesetzgeber und die Rechtsprechung sind die Banken die „Heiligen Kühe“, deren aktives Mitwirken auf dem Schrottimmobilienmarkt ignoriert wird.