V+ Fonds – Wie können Anleger informiert werden?

Fernsehanwalt Alexander Bredereck:
Ein großes Problem ist doch wohl immer, dass viele Anleger zu große Informationsdefizite haben. Das kann man am Beispiel der V+ Fonds ganz gut verdeutlichen. Richtig?

Anlegeranwalt Jochen Resch:
Ja, die V+ Fonds sind ein typisches Beispiel dafür, wie nur ein Bruchteil der Anleger tatsächlich an den Ereignissen teilnimmt, Informationen aufnimmt und versteht, dass es ihr Geld ist, das dort im Risiko steht. Jeder Anleger sollte wissen, dass er sich als Kommanditist an einer Kommanditgesellschaft beteiligt, dass der Kommanditist in der persönlichen Haftung ist bis er seine Einlage vollständig erbracht hat. Der Anleger sollte wissen, dass eine unternehmerische Beteiligung per se risikobehaftet ist und es sich hier im Speziellen um Wagniskapital handelt, also das Risiko des Totalverlustes eminent im Raume steht. Er sollte wissen, dass ihn das Fondsmanagement mit zwei dicken Rundschreiben informiert hat, dass das Kapital – hier im Falle der V+ Fonds – zu rund 90 % verbrannt ist. Er sollte wissen, dass sein Kapital faktisch verloren ist.

Fernsehanwalt Alexander Bredereck:
Und ist das nicht so? Ich habe das gerade so verstanden, dass der Anleger all diese Informationen erhalten hat!

Anlegeranwalt Jochen Resch:
Ja, so kann man es sagen: Er hat die Unterlagen erhalten mit den Informationen. Die große Masse hat aber die Unterlagen nicht gelesen und die, die das gelesen haben, haben es ganz überwiegend nicht verstanden.

Fernsehanwalt Alexander Bredereck:
Wie ist das möglich?

Anlegeranwalt Jochen Resch:
Ein solches Kapitalanlagemodell lässt sich schlechterdings nicht an normale Anleger verkaufen, insbesondere nicht an Anleger, die die Zeichnungssumme nur in Raten ansparen können. Das sind oft Kleinstanleger, die kein Geld zu verschenken haben. Die ihnen abverlangte Rate ist oft das Höchstmaß dessen, was monatlich abgezwackt werden kann. Also viele Anleger verstehen das Konzept des V+ Fonds als Ratensparplan, der zur Altersvorsorge geeignet ist. Vielfach werden auch Lebensversicherungen aufgekündigt. Das Argument lautet: Lebensversicherungen bringen ja nichts, das kann man besser bei einem V+ Fonds einzahlen, da kriegt man am Ende mindestens das Doppelte und mehr raus. Ich habe mit Hunderten von Anlegern gesprochen, die allerwenigsten wussten, dass sie Kommanditist einer Kommanditgesellschaft geworden sind. Sie wussten nicht, dass der V+ Fonds ein Wagniskapital ist, dass „Venture“ für Risiko und Wagnis steht.

Fernsehanwalt Alexander Bredereck:
Also sind die Anleger völlig desinformiert. Aber sie haben doch oft ein Prospekt erhalten. Da sind doch alle Risikohinweise nachzulesen.

Anlegeranwalt Jochen Resch:
Vielfach ist das Prospekt gar nicht übergeben worden oder im Termin mit der Bemerkung „kannst ja mal nachschauen, da steht alles drin.“ Aber leider tun das dann doch die wenigsten. Und nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes wird das auch nicht erwartet. Man kann sich darauf verlassen, dass die Aussagen des Anlageberaters stimmen und man muss nicht voller Misstrauen das jetzt alles noch mal nachlesen und sehen, ob und wo man betrogen worden ist. Aber viele tun das eben gar nicht. Dann wird die monatliche Rate abgezogen, möglicherweise wird vorher noch eine Lebensversicherung aufgelöst. Das geschieht über einen Rechtsanwalt, der das Geld einzieht und dann an V+ weiterleitet. Für den Anleger macht das alles einen seriösen Eindruck. Er wird dadurch nicht misstrauisch.

Fernsehanwalt Alexander Bredereck:
Das bedeutet, dass es möglich ist, dem potenziellen Anleger ein völlig anderes Produkt zu verkaufen als es tatsächlich ist. Der Anleger glaubt also, einen Ratensparplan zur Altersvorsorge zu haben, stattdessen hat er eine Kommanditbeteiligung an einem Wagniskapitalfonds.

Anlegeranwalt Jochen Resch:
Ja, genauso ist es. Und das erklärt auch, warum er Unterlagen von der Fondsgesellschaft gar nicht versteht, wenn da von Gesellschafterversammlungen, wenn da von Jahresabschlüssen, wenn da von Entlastung der Geschäftsführung die Rede ist, dann hat das mit seinem Ratensparplan zur Altersvorsorge erstmal nichts zu tun. Nur ganz wenige schauen sich das an und werden misstrauisch. In der großen Masse wird dieses Nichtverstehen dadurch aufgelöst, dass man die Sachen einfach beiseite packt oder in vielen Fällen den lieben Anlageberater anruft und dem erklärt, dass es da Post gegeben hat. Der Anlageberater sagt, „schick mal zu“ und „läuft alles nach Plan, musst dir keine Gedanken machen“. Und damit ist das Thema für den Anleger abgehakt, er zahlt brav weiter seine Raten ein und weiß ja, am Ende fließt ja das Doppelte zurück.

Fernsehanwalt Alexander Bredereck:
Und so läuft das tatsächlich in der Realität ab?

Anlegeranwalt Jochen Resch:
Ja, so erleben wir es hundert-, ja tausendfach. Ich fürchte, dass 80-90 % aller Anleger nicht zu erreichen sind. Sie lesen nicht die Post der Fondsverwaltung, sie lesen nicht die Post von Anwälten oder geben gleich alles an den Anlageberater weiter, der sie wie oben genannt, vertröstet.

Fernsehanwalt Alexander Bredereck:
Was kann man dagegen tun?

Anlegeranwalt Jochen Resch:
Es gibt nicht wirklich eine Antwort darauf. Die Einzigen, die die Anleger erreichen könnten, sind die Anlageberater. Der Anlageberater müsste seinem Kunden erklären, dass er ihn belogen hat und dass er eben für den Schaden einzustehen hat. Die Anlageberater sind also wohl die Einzigen, die ihren Kunden reinen Wein einschenken können, aber die können und werden es nicht machen. Das käme einer Selbstanzeige gleich.

Fernsehanwalt Alexander Bredereck:
Aber vielleicht haben die Anlageberater selber geglaubt, was sie ihren Kunden erzählt haben?

Anlegeranwalt Jochen Resch:
Das ist schwer vorstellbar. Sie werden nicht wirklich geglaubt haben, dass es sich um einen Ratensparplan zur Altersvorsorge handelt. Es mag schon sein, dass viele Anlageberater nicht die Feinheiten einer Kommanditgesellschaft kennen und dass sie sich von den genialen Geschäftsideen des Fondsmanagements selber haben anstecken lassen. Hier in diesem Fall der V+ Fonds ist es tatsächlich so, dass viele Anlageberater selber auch ihr Geld investiert haben. Aber das macht es nicht wirklich besser. Ein Anlageberater hat zu prüfen, ob das von ihm empfohlene Finanzprodukt zu den individuellen Zwecken des Anlegers passt. Der Bundesgerichtshof sagt, es muss anleger- und anlagegerecht beraten werden. Hier hätte jeder Anlageberater ohne Mühe erkennen können und müssen, dass für einen Kleinanleger, der seinen Beitrag nur in Raten bezahlen kann, die Beteiligung an einem Wagniskapitalfonds völlig ungeeignet ist. Dass es zudem unverzeihlich ist, diesen Kleinanleger zu überreden, eine bestehende Lebensversicherung aufzukündigen, um dieses Geld zu investieren. Das Motiv für den Anlageberater ist eindeutig. Es ist die Provision, die er für die Vermittlung des Fonds bekommt. Bei den V+ Fonds waren mehr als 20 % für Vertriebskosten, also für Provisionen, angesetzt. Es war also ein tolles Geschäft für die Vertriebe, leider nicht für die Kunden.

Fernsehanwalt Alexander Bredereck:
Was kann man also den Anlegern der V+ Fonds oder vergleichbarer Fonds empfehlen?

Anlegeranwalt Jochen Resch:
Allen ist zu empfehlen, die Unterlagen zu lesen und nicht dem Anlageberater in die Hand zu drücken und darauf zu vertrauen, dass der im Sinne des Anlegers handelt. Das tun sie aus sehr verständlichen Gründen nicht, weil er selber in die Haftung geraten kann. Ein Anlageberater muss nämlich anleger- und anlagegerecht beraten. Er muss also genau prüfen, ob der von ihm empfohlene Fonds zu den erklärten Anlagezielen des Anlegers passt. Einen V+ Fonds konnte man eigentlich nur Zockern anbieten. Daher gibt es grundsätzlich einen Schadensersatzanspruch. In den Fällen, wo noch weiter Raten eingezahlt werden, muss man sehen, dass man die Beteiligung beendet, das heißt, die Stellung als Kommanditist auflösen. Wenn man nicht mehr Kommanditist ist, muss man logischerweise nicht mehr bezahlen und hat auch keine persönliche Haftung mehr. Das ist ständige Rechtsprechung.

Fernsehanwalt Alexander Bredereck:
Dann gibt es sicherlich entsprechende Urteile?

Anlegeranwalt Jochen Resch:
Ja, es gibt natürlich entsprechende Urteile. Nur muss man sich bewusst machen, dass es immer auf den Einzelfall ankommt. Die Rechtsprechung ist klar, aber es muss im Einzelfall die Falschberatung bewiesen sein. Es gibt also keine Sammelklage, wo in einem Fall entschieden ist und dann müssen alle anderen Gerichte dem Urteil folgen. Auch solche Vorstellungen herrschen teilweise bei Anlegern.


Imagefilm

Wenn Sie als Kapitalanleger Probleme haben, dann sind Resch Rechtsanwälte für Sie da.
Wenn Sie als Kapitalanleger Probleme haben, dann sind Resch Rechtsanwälte für Sie da.

Referenzen

Jochen Resch mit Dr. Dr. Cay von Fournier im Interview über das Thema Exzellente Unternehmen.
Jochen Resch mit Dr. Dr. Cay von Fournier im Interview über das Thema Exzellente Unternehmen.