Crowdfunding-Pleiten - Prüfungen zu lax? Kreditkosten zu hoch?

Resch Rechtsanwälte Crowdfunding

Es kracht gerade in der Crowdfunding-Szene. Eine Pleite reiht sich an die nächste und die Anleger machen sich zunehmend Sorgen um ihr eingesetztes Kapital. Dutzende von kleinen Unternehmen, die Darlehen von kommerziellen Crowdfunding-Plattformen in Form eines Darlehens erhielten, gingen kurze Zeit später in Konkurs. Traf es zunächst hauptsächlich die Startup-Finanzierungen, konnte man meinen, es liege in der Natur der Sache, dass öfter mal etwas verrutscht. Doch nun trifft es auch immer häufiger, die bisher als relativ sicher geltenden, Immobilien-Projekte. Die Suche nach den Ursachen und den Verantwortlichen hat gerade erst begonnen.

Crowdfunding-Pleiten: Kredite zu teuer
Geraten die Unternehmen aufgrund der hohen Kosten für die Rückzahlung ihrer Kredite in finanzielle Schwierigkeiten? Viele Kredite werden mit sehr hohen Zinssätzen von bis zu 20 Prozent vergeben. Viele dieser Kredite gingen an Unternehmen, die zu wenig Umsatz hatten, um ihre monatlichen Ausgaben bezahlen zu können oder weil sie das Geld zur Tilgung anderer Schulden verwenden wollten. Einige Crowdfunding-Plattformen nutzen die Crowd, um Geld aufzubringen und verleihen das Geld dann an kleine Unternehmen mit extrem hohen Zinssätzen, wie altmodische Geldverleiher. Diese haben früher häufig private Darlehensnehmer mit horrenden Zinsen in den endgültigen Ruin getrieben.

Crowdfunding-Pleiten: Kontrolle der Plattformen unzureichend
Die Crowdfinanzierung hat in den letzten Jahren massiv an Popularität gewonnen. Eine große Anzahl von Privatpersonen sammeln Geld für ein Ziel. Unternehmen wie Kickstarter aus den Vereinigten Staaten, der Funding Circle aus Großbritannien oder Companisto aus Deutschland nutzen diese Methode zur Kreditvergabe, ohne dass Banken beteiligt sind. Die Plattformen verfügen in der Regel über keine Banklizenz. Das bedeutet, dass es auf den kommerziellen Crowdfunding-Plattformen selbst nur wenig Aufsicht gibt – vielleicht zu wenig.

Crowdfunding-Pleiten: Plattformen weisen Verantwortung weit von sich
Die Plattformen verteidigen ihre Arbeit und sagen, dass sie kleinen Unternehmen schnell Betriebskapital zur Verfügung stellen, wenn sie eine Finanzierung benötigen, um ihr Wachstum zu fördern. Kleine Unternehmen seien seit Jahrzehnten von traditionellen Kreditgebern stiefmütterlich behandelt worden, sowohl in Bezug auf die Konditionen als auch auf den Service, den sie erhalten. Und zu den hohen Zinsen äußern sich die Crowdfunding-Unternehmen ebenfalls und lassen den Vergleich mit den Kredithaien der Vergangenheit nicht gelten. Alle Informationen über anfallende Gebühren werden im Voraus auf einfache und klare Weise bereitgestellt. Damit soll gesagt werden, Sie würden nicht im Kleingedruckten versteckt.

Crowdfunding-Pleiten: Kontrolle durch die Plattformen unzureichend
Nahezu alle Plattformen geben vor, eine strenge Auswahl der Projekte zu treffen. Wenn es um das Einwerben von Geldern geht, ist von mehrstufigen Verfahren und externen Expertengutachten die Rede. Dennoch gingen Dutzende von Unternehmen, die solch teuren Kredite erhielten, kurz darauf in Konkurs. Darauf angesprochen, reagieren die Plattformen weit weniger eloquent und betonen die Verantwortung der Darlehensgeber. Diese selbst müssen einschätzen können, in welche Projekte sie ihr Geld investieren und gebetsmühlenartig wird die Empfehlung wiederholt, breit zu streuen.

Crowdfunding-Pleiten: Schützt breite Streuung die Anleger?
Nur theoretisch. Es gibt immer mehr Plattformen deren Bilanzen negativ sind. Das heißt, die Summe der durch Pleiten verlustig gegangenen Gelder ist höher, als die Summe der im selben Zeitraum neu eingeworbenen Gelder. Jeder kann sich ausrechnen, wie viele erfolgreiche Projekte es braucht, um ein gescheitertes auszugleichen. Da die Mehrzahl der Anleger aber möchte nicht nur nichts verlieren, sondern Geld verdienen – am besten mehr, als bei tatsächlich sicheren Anlagen auf einer Bank.

Crowdfunding-Pleiten: Auch die Unternehmer sind Opfer
Auch wenn die Unternehmer zunächst wie die Begünstigten des Geschäftsmodells aussehen, sind sie das in Wahrheit das erste Opfer der viel zu teuren Kredite. Denn viele der kleinen Geschäftseigentümer mussten ihr persönliches Vermögen oder das ihrer Familie verwenden, um ein Darlehen mit einer persönlichen Garantie zurückzuzahlen. Das bedeutet, wenn sie ihr Darlehen nicht zurückzahlen können, sind sie nicht nur mit einer Insolvenz des Unternehmens konfrontiert, sonder auch mit einem Privatkonkurs, der möglicherweise die ganze Familie betrifft.

Crowdfunding-Pleiten: Zielkonflikt der Plattformen
Bei genauer Betrachtung des Geschäftsmodell wird man schnell nachdenklich, weil man frühzeitig auf einen Zielkonflikt der Plattform stößt. Diese verdient ihr Geld normalerweise nicht mit einem erfolgreichen Projekt, sondern mit dessen erfolgreicher Finanzierung. Darum fordert sie von den Projektbetreibern, sich im allerbesten Licht zu präsentieren, um die potentiellen Investoren zu überzeugen. Gleichzeitig soll sie die Kunden vor Fehlinvestitionen schützen. Tut sie letzteres erfolgreich, verdient die Plattform nichts und verliert den Projektbetreiber an ein weniger kritisches Crowdfunding-Unternehmen.

Crowdfunding-Pleiten: Wie Projekte präsentiert werden
Weil die Plattformen am Erfolg der Kampagnen interessiert sind treiben sie die Projektbetreiber zu immer besseren Präsentationen an. Da werden in professionellen Videos computeranimierte Produkte vorgestellt, die noch in den Anfängen der Entwicklung stecken und deren Realisierung noch nicht einmal den Status eines funktionierenden Prototypen erreicht hat. Normalerweise gehen die Probleme danach erst richtig los. Produktionsstätten, Lager und zuverlässige Zulieferer mit entsprechenden Kapazitäten müssen gefunden werden, außerdem muss eine Vertriebsstruktur entwickelt werden, dazu braucht es geeignete Partner. Alles Dinge mit denen hippe Entwickler die frisch von der Uni kommen schnell überfordert sind.

Crowdfunding-Pleiten: Es ist nicht alles Gold, was glänzt

Das gilt auch für das sogenannte Betongold, sprich Immobilien. Bis vor kurzem glaubten viel Anleger in der Crowd, bei Immobilienprojekten wäre ihr Geld, bei guten Zinsen sicher. Doch weit gefehlt, so nach und nach fallen auch Projekte die sich mit Immobilien beschäftigen, wie bei der schon fast renommierten Plattform Bergfürst, aber auch anderen inzwischen mehrfach zu sehen war. Was Profis wissen, ist vielen kleinen Anlegern völlig unbekannt – bei einem Bau kann vieles schief gehen. Auch wenn fast alle Immobilienprojekte irgendwann zum Abschluss kommen, heißt das nicht, dass das ausführende Unternehmen bis zum Ende durchhält, aber die haben das begehrte Mezzanine-Darlehen der Anleger bekommen und ist mit der Insolvenz zumeist komplett verloren.

Crowdfunding-Pleiten: DMI-Anleger stehen im Regen
Besonders hart trifft die Anleger, wenn die vermittelnde Plattform nicht mehr existiert. So ergeht es Anlegern der aufgelösten Deuten Mikroinvest (DMI) gerade. Bei dieser nächsten Pleite auf der Plattform, dieses Mal hat es die Gensoric GmbH aus Rostock erwischt, haben sie etwa eine halbe Million Euro verloren und nun noch nicht mal einen Ansprechpartner. Weder bei Gensoric ist jemand erreichbar und bei der DMI schon gar nicht. Deren Betreiber ist es offenbar völlig egal, was mit den Anlegern passiert. Denn die Provisionen wurden schon vor im Mai 2017 kassiert.

Crowdfunding-Pleiten: Auch vermeintlich seriöse Anbieter verzeichnen Pleiten
Bei der GLS-Crowd, einer hundertprozentigen Tochter der er CrowdDesk GmbH, steht die eigentlich ganz ehrwürdige GLS Bank nicht nur als Namenspate zur Verfügung, sondern ist auch für die Projektauswahl verantwortlich. Deren jahrzehntelange Erfahrung mit nachhaltigen Projekten, sollte für die notwendige Expertise bei der Auswahl sorgen. Deren tatsächliches Vorhandensein muss nun endgültig in Frage gestellt werden. Nach nur zwei Jahren und 17 initiierten Projekten ist gerade die dritte Insolvenz bekannt geworden. Nach der Boutique vegan und der BIP Industrietechnik hat es nun auch MindTags erwischt. Zusammen wurden 1,65 Millionen Euro verbrannt.

Crowdfunding-Pleiten: Immer wieder Kapilendo
Innerhalb weniger Wochen sind bei Kapilendo mal wieder Finanzierungen von Projekten ausgefallen, die nach dem Funding nicht mal ein Jahr durchgehalten haben. Unter dem Slogan „Individuelle Automationstechnik für die Industrie 4.0“ wurden ab September 2018 Kreditforderungen der Fidor Bank an Tectomove, an die Anleger verkauft. Die Bank ist dadurch fein raus, dafür hat die Crowd das Nachsehen. Ende 2018 vertraute selbige auf die Kapilendo-Darstellung des Kreditnehmers Fairbuy24. Es sei relativ sicher, denn es handle sich um einen etablierten Großhändler, mit Top-Kundschaft, hohe Umsatzrentabilität, durch geringe Fix- und Lagerkosten. Zusammen haben die drei Projekte 1,5 Millionen Euro der Crowd verbrannt.

Crowdfunding-Pleiten: Umstände und Reaktionen höchst fragwürdig
Am meisten wundert einen die Reaktionen der Plattformen nach den Pleiten, so es denn überhaupt welche gibt. Beim selbsternannten “Repräsentanten der Anleger” Kapilendo wird, trotz der Pleiten, weiterhin die erfolgreiche Finanzierung von Tectomove und Fairbuy24 bejubelt, statt dazu Stellung zu nehmen und vielleicht mal die offensichtlich nicht funktionierenden Auswahlkriterien zu diskutieren. Genauso unverständlich bleibt, weshalb zum Beispiel bei der GLS-Crowd, die Einhaltung der gesetzlich vorgeschriebenen Transparenzpflichten für Jahresabschlüsse gemäß Vermögensanlagengesetz nicht nachdrücklich von den Projektbetreibern eingefordert werden.

Crowdfunding-Pleiten: Mögliche Schadensersatzansprüche
Ohne ein qualifiziertes Gutachten lässt sich nur wenig dazu sagen. Dabei werden alle allgemeinen Fragen zum Schadenersatzanspruch, der Prospekthaftung, oder der Gültigkeit einer Haftungsfreistellung geklärt, woraufhin man zu spezielleren Fragen übergeht, wie: Lag bei einer Partei eine Erlaubnispflicht nach dem Zahlungsdiensteaufsichtsgesetz (ZAG) vor? Lag beim Plattformbetreiber eine Erlaubnispflicht nach dem Kapitalanlagegesetzbuch (KAGB) vor? Hat der initiierende Anbieter ein Finanzinstrument ohne feste Übernahmeverpflichtung platziert?

Crowdfunding-Pleiten: Gegen wen und wie kann man Forderungen erheben?

Nach dem Abschluss der fachkompetenten Prüfung aller Sachverhalte können sattelfeste Aussagen zu den Ansprüchen auf Schadenersatz getätigt werden. Die genaue Untersuchung erhöht die Chancen sein Geld wiederzusehen erheblich. Außerdem findet man so heraus, gegen wen man seine Forderungen erfolgreich stellen kann.

Resch Rechtsanwälte - Anlegerschutz seit 1986
Resch Rechtsanwälte bieten den Anlegern von gescheiterten Crowdfunding-Projekten die kostenlose Prüfung ihres Falles an. Füllen Sie das Kontaktformular aus oder rufen Sie an, unter 030 885 9770.


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Wenn Sie als Kapitalanleger Probleme haben, dann sind Resch Rechtsanwälte für Sie da.
Wenn Sie als Kapitalanleger Probleme haben, dann sind Resch Rechtsanwälte für Sie da.

Referenzen

Jochen Resch mit Dr. Dr. Cay von Fournier im Interview über das Thema Exzellente Unternehmen.
Jochen Resch mit Dr. Dr. Cay von Fournier im Interview über das Thema Exzellente Unternehmen.