WaterCoin Group – Initial Coin Offering (ICO) für Trinkwasser

Eine Gruppe von Initiatoren versucht seit einigen Monaten Investoren für ihre WaterCoin genannte Kryptowährung zu finden. Diese sollen von der schweizerischen Starbox KMU GmbH gekauft werden. Dabei geht es um sogenannte ICOs (Initial Coin Offering). Das ist nichts Geringeres als der Versuch durch unreguliertes Crowdfunding an Geld zu kommen. Unreguliert heißt keine Aufsicht, keine Kontrolle und keine Garantien für die Investoren. Darum ist bei ICOs besondere Vorsicht geboten. Das gilt auch uneingeschränkt für den WaterCoin. Die wichtigsten Kriterien für die Beurteilung eines ICOs sind die dahinterstehenden Personen, das Whitepaper, die angebotene Kryptowährung und deren Gebrauchswert, die angestrebte Zeitachse, die genutzten Kommunikationskanäle und der rechtliche Rahmen des Ganzen.

WaterCoin Group: Die Personen
Bei der Bewertung eines ICOs ist es unbedingt erforderlich, soviel wie möglich über die damit verbundenen Personen herauszufinden. Es sollte über jeden Beteiligten nachgeforscht werden, ob er als jeweiliges Mitglied des Teams Fachwissen oder eine geeignete Qualifikation nachweisen kann. Über die Initiatoren und das Team von XYZ ist nichts bekannt, da die Rubrik Team in der Webseite leer ist. Möglicherweise sind es aber diejenigen, die im Whitepaper der WaterCoin Group als Partner vorgestellt werden.

WaterCoin Group: Boris Goldstein
Der wird zuerst genannt. Angeblich ist er ein Lette der Anfang der neunziger Jahre in die USA kam. Von ihm wird behauptet, er hätte ein Buch über Wasser geschrieben, würde 40 hervorragende Programmierer mitbringen, wäre Direktor des Pacific Venture Fund San Francisco und Inhaber einer Firma namens Nanographene Filtertechnik. Nichts davon ist auch nur ansatzweise belegbar. Sein Name taucht  aber im Jahre 2016 in einer Patentanmeldung auf, in dem es um eine medizinisch Cannabinoid-Behandlung ging. Als Miterfinderin wird darin Milla Bakhareva aufgeführt.

WaterCoin Group: Milla Bakhareva
Bei ihr soll es sich um eine IT-Spezialistin handeln, die über besondere Fähigkeiten in den Bereichen Künstliche Intelligenz, Semantic Web Technologien, Dapps-Architektur, Linked Data, Biz-Modellierung verfügt. Außerdem soll sie einen Master of Science in Electrical Engineering (MSEE) der Russia State University of Aerospace Technologies innehalten. Eine Universität dieses Namens gibt es aber nicht. Es gibt ein Institut das Russian State University of Aviation Technology, kurz MATI oder umgangssprachlich MAI (Moscow Aviation Institute) genannt wird. Ein Master of Science in Electrical Engineering wird an dieser Universität nicht angeboten.

WaterCoin Group: Gilles Koch
Dieser soll, wohl wegen seiner angeblichen Wasserprojekte mit Beteiligung der Weltbank, über ein Netzwerk in afrikanischen Staaten verfügen. Entweder hat er dabei anonym gearbeitet, oder es stimmt einfach nicht. Sein Name taucht weder in Zusammenhang mit der Weltbank oder Wasserprojekten oder Afrika auf. Dafür aber als Verantwortlicher einer maltesischen Firma die in den Paradise Papers auftauchte. Zudem findet sich ein Eintrag mit der Öl-Explorationsfirma Canopus Capital aus der Schweiz.

WaterCoin Group: Dan Volevah
Möglicherweise mit im Bunde ist ein Wassersommelier, mit nachweislichen Aktivitäten in zahlreichen sozialen Netzwerken. Der etwas seltsam anmutende Nachname ist möglicherweise der rückwärts buchstabierte ukrainische Nachname Havelov. Zu der im Whitepaper genannten App, zum Analysieren und Erkennen von Wasser aus unterschiedlichen Quellen, finden sich keine Informationen aus glaubwürdigen Quellen im Internet, zumal auch die Frage da ist, ob solche Projekte einen Wassersommelier brauchen oder ihre Wertschöpfungsmöglichkeiten erhöhen.

WaterCoin Group: Sarah Thiele-Nyffeler
Sie war Kommunikationschefin der Poststellen und Verkauf bei der Schweizerischen Post und auch bei der Facing AG tätig, eine Agentur für Marken, Kommunikation und Design, die vor allem berät. Der Öffentlichkeit ist sie wohl am ehesten für ihr öffentliches Engagement hinsichtlich der Arbeitszeitregelung für Frauen bekannt. Einschränkend muss erwähnt werden, dass ihr Name im Whitepaper ohne den Zusatz Nyffeler erscheint und sie ihrerseits an keiner Stelle das Engagement für die WaterCoin Group erwähnt.

WaterCoin Group: Dmitri Bachmann
Auch er arbeitete für die Facing AG und ist nun laut Angabe der WaterCoin Group ihr Branding & Marketing Markenberater, allerdings gibt er auf seinem Xing-Profil diese Tätigkeit nicht an. Da steht, dass er für die schweizerische DETAIL AG als Polygraf arbeitet. Polygraf ist eine Berufsbezeichnung in der Schweiz, die für alle Arten der Gestaltung, Erstellung und Bearbeitung von Print- und Screen-Medien verantwortlich sind.

WaterCoin Group: Andrey Verbitsky
Er nennt sich selbst gern Alchemist of Crypto, ist Blockchain Application Builder für Ethereum dApps und damit durchaus für die WaterCoin Group zu gebrauchen. Offiziell ist er für das im Vereinigten Königreich registrierte Gesundheitsunternehmen Curaizon Ltd. tätig. Auf seine Mitarbeit in der WaterCoin Group gibt es dagegen keine Hinweise, außer dem Whitepaper selbst.   

WaterCoin Group: Fazit zum Team
Glaubwürdigkeit und Authentizität sieht anders aus. Bei näherem Hinsehen beschleicht einen schnell der Verdacht, dass dieses Team in Wahrheit nicht existiert. Warum bekennt keines der angeblichen Mitglieder seine Verbindung zur WaterCoin Group offiziell? Warum werden den Personen Eigenschaften und Möglichkeiten angedichtet, die sie gar nicht haben können? Warum sollte jemand Token von einem Unternehmen kaufen, welches keine klare Auskunft darüber gibt, wer für das Projekt verantwortlich ist? Das sind nur drei elementare Fragen. Solange diese nicht beantwortet sind, muss vor der WaterCoin Group gewarnt werden.

WaterCoin Group: Das Whitepaper
Ohne ein aussagekräftiges Whitepaper, welches die Ziele, Absichten und Vorgehensweisen des Projekts sorgfältig und verständlich beschreibt, ist es im Grunde genommen gar nichts wert. Nach diesen Maßstäben ist das Whitepaper der WaterCoin Group ein Paradebeispiel dafür, wie man es auf keinen Fall machen sollte. Der Text wurde nicht von Muttersprachlern verfasst, steckt voller Ungereimtheiten, Widersprüche und falschen Angaben. Es werden mehr Fragen aufgeworfen als beantwortet. Die gesamte Anmutung ist unordentlich, als wäre es noch mitten in der Bearbeitung. Darum auch hier: Daumen runter!

WaterCoin Group: Das Konzept ist unverständlich
Zwar wird sehr wortreich beschrieben, mit welchen Ressourcen der WaterCoin verknüpft werden soll und welchen Nutzen das für den WaterCoin hat, aber es wird nicht erklärt wie diese Verknüpfung hergestellt werden soll und welchen Nutzen das für die bisherigen Besitzer des Wassers, seine Abfüller und Verteiler haben könnte. Solange das nicht vollständig ge- und erklärt wird, könnte man auch einen Gold-, Sand-, Luft- oder Konfetti-Coin behaupten, ohne Gold, Sand, Luft oder Konfetti zu besitzen.

WaterCoin Group: Wertsteigerung beruht auf hochoptimistischen Annahmen
WaterCoin wird durch die Ethereum-fähige Blockchain-Technologie angetrieben, um eine robuste und dezentrale Methode zur Überprüfung, Verfolgung und zum Austausch bereitzustellen. Zusätzlich zur Ethereum-Blockkette wird WaterCoin Auditmethoden anwenden, um sicherzustellen, dass ausgegebene Token jederzeit durch ausreichende Wasserreserven unterstützt werden. Es wird nicht gesagt, wer die Wasserreserven zu welchen Bedingungen bereitstellt! Der WaterCoin soll ein zuverlässiger Wert-, Devisen- und Rechnungseinheitsspeicher werden, soll Inhabern anderer digitaler oder nationaler Währungen einen sicheren Hafen bieten und soll ein wirksamer und steuerlich vorteilhafter Wirtschaftsvertreter für Investitionen in Wasser und im Umfang ihrer positiven Korrelation mit Wasser, anderen Rohstoffen sein.

WaterCoin Group: Annahmen sind nicht nachvollziehbar
Mit diesen Eigenschaften, glaubt man in der WaterCoin Group, werden globale Investoren und Verbraucher unabhängig von Größe, Komplexität und Kapitalbasis einsteigen. An dieser Stelle läßt sich lediglich konstatieren, dass diese Eigenschaften nicht erkennbar sind, ja im Moment, noch nicht einmal die Webseite in einem vertrauenswürdigen Zustand ist. Somit lässt sich auch kein realistischer Gebrauchswert des WaterCoins abschätzen.

WaterCoin Group: Der Zeitplan in der ersten Finanzierungsphase
Die letzte Seite des Whitepapers zeigt einen Zeitplan, der an Schlichtheit und Unsinnigkeit kaum zu schlagen ist. Er beginnt im Juli 2019. Für die Zeit von Anfang Juli bis Ende September sind eingetragen: Meeting mit Martin, Workshop Strategie, Marken und Kommunikationsstrategie und Suche nach Kleininvestoren, welche die ersten 350.000 Dollar zusammenbringen sollen. Vom 10. August bis etwa zum 22 September sollten die WaterCoins programmiert werden.

WaterCoin Group: Der Zeitplan in der zweiten Finanzierungsphase
Anschließend beginnt, laut Plan, wortwörtlich der “Besuch von Veranstaltungen”, “Vorträge” und die “Suche nach (Gross-)Investoren”. Diese Phase sollte Mitte Dezember 2019 abgeschlossen sein. Mit den Investoren sollen bis Ende November zwei bis drei Millionen Dollar in die Kasse kommen. Ab Mitte November startet ein schwarzer Balken mit der Beschriftung “permanent employment” ohne Erläuterung, warum das in Englisch dasteht und wer dann mit was beschäftigt werden soll.

WaterCoin Group: Der Zeitplan in der dritten Finanzierungsphase
Für Anfang Dezember wurde ein “Grosser Roll-Out” geplant und mit ihm die dritte Finanzierungsphase, mit geplanten Einnahmen von 20 bis 30 Millionen Dollar. Es heißt, wenn man Gott zum Lachen bringen möchte, müsse man einen Plan machen. Der vorliegende Plan bringt nicht nur ihn zum Lachen. Der Finanzierungsbalken auf der Webseite der WaterCoin Group steht nun schon seit längerer Zeit bei 354.000 Schweizer Franken. Der veröffentlichte Plan zeugt entweder von unehrlichen Absichten oder von unfassbarer Naivität in Bezug auf die zeitliche Komponente von Prozessmanagement.

WaterCoin Group: Unternehmenskommunikation
Die Kommunikation des Projekts liefert ein trauriges Bild. Es gibt offensichtlich keine Strategie für die sozialen Netzwerke. Die WaterCoin Group taucht lediglich in ein paar Listen der Kryptowährungs-Szene auf und zeigt sich darüber hinaus nur mit der schlecht gemachten Webseite in der Öffentlichkeit. Auf dieser Seite wird in Textwüsten geschwafelt, statt informiert, es wird weitschweifig über Kryptowährungen im Allgemeinen, die bekannten Probleme der globalen Wasserversorgung berichtet, ohne irgendeine nachvollziehbare Lösungsmöglichkeit in den Raum zu stellen. Stattdessen wird über den WaterCoin als Lösung erzählt, aber ohne zu sagen, wie das praktisch umgesetzt werden kann. Der Text ist so gesetzt, dass er schwer lesbar ist, als möchte man nicht, dass sich die Besucher mit Details befassen.

WaterCoin Group: Rechtlicher Rahmen
Nachdem festgestellt ist, dass die WaterCoin Group keine ihrer Hausaufgaben erledigt hat, ist es eigentlich müßig den rechtlichen Rahmen näher zu untersuchen. An mehreren Stellen wird von der WaterCoin Group überflüssigerweise betont, dass man die Gesetze einhalten wird. Das ist schön, aber doch auch selbstverständlich. Wer sich in die globale Wasserversorgung einmischen möchte, braucht Kenntnisse über die nationalen gesetzlichen Regelungen jedes einzelnen Landes dieser Erde. Nichts deutet darauf hin, dass die WaterCoin Group auch nur ansatzweise über eine solche Expertise verfügt, es ist auch nur schwer vorstellbar, dass eine private Organisation jemals über eine solche verfügen wird.

WaterCoin Group: Nutzung der Coins
Alles was über die mögliche Nutzung der WaterCoins bekannt ist, stammt aus dem Zukunftsmusik-Repertoir der WaterCoin Group. Da heißt es, WaterCoin soll einfach zu kaufen, zu verkaufen, zu verwenden und zu halten sein, weil er auf der Ethereum-Blockchain basiert. WaterCoin könne auf die gleiche Weise wie andere digitale Währungen verwendet werden und als Wertaufbewahrung oder von Peer-to-Peer in eine pseudonyme, dezentrale, kryptographisch sichere Umgebung übertragen werden. Er soll leicht in Tauschbörsen und Wallets integriert werden können. Außerdem würde er die Eigenschaften des ERC20-Protokolls, die den dezentralen Austausch einschließen, erben, und damit über klar definierte und überprüfbare Vertragsstrukturen, browser-basierte, Open-Source-Verschlüsselung und der auf einer Blockchain basierenden Transparenz-, Rechenschafts-, Mehrparteien-Sicherheits- und Berichtsfunktionen verfügen.

WaterCoin Group: Das Herausstellungsmerkmal
Beim Kauf und Verkauf von WaterCoin sei es weniger wahrscheinlich, dass es zu wesentlichen Preis- oder Liquiditätsengpässen kommt, da die Lieferung von WaterCoin und den ihn unterstützenden Wasserreserven erweitert und vertraglich geregelt wird. Wie zu erwarten fehlt die Information, wie diese vertragliche Regelung aussehen und umgesetzt werden soll. Jedenfalls soll ein Watercoin dem Preis eines Kubikmeter Wassers entsprechen, das würde dessen Wert einfach und leicht verständlich machen. Die Frage ist, der Preis welchen Wassers? Dem abgefüllten Wasser im deutschen Supermarkt, oder dem des Baikalsees, dem Wassershop in der in der Wüste Gobi, oder dem eines frei zugänglichen Brunnens in Westafrika.

WaterCoin Group: Fazit
Beim Projekt der WaterCoin Group deutet nichts auf ein seriöses Projekt hin. Es gibt keine verantwortlichen Personen, die Rede und Antwort stehen und sich für das Projekt verbürgen. Vielmehr hat man den Eindruck, dass sich da eine Osteuropa-Connection mit ein paar anderen Glücksrittern zusammengetan hat und nun versucht über einen “globalen” Auftritt und eine kleine Schweizer GmbH Gelder von unerfahrenen Anlegern einzusammeln. Das auch die Hintermänner der WaterCoin Group in ihrem Handeln arg limitiert sind, verrät der Inhalt und die Aufmachung ihrer Webseite und ihr offensichtliche Unfähigkeit in sozialen Netzwerken zu kommunizieren.

WaterCoin Group: Die nächsten Schritte für betroffene Anleger
Anleger, die bereits Geld in die WaterCoin Group gesteckt haben, sollten umgehend einen fachkundigen Rechtsanwalt aufzusuchen, um überprüfen zu lassen, welche Handlungsoptionen gegenüber WaterCoin und ihren Initiatoren bestehen. Sie bekommen so Gewissheit darüber, ob und welche Ansprüche auf Schadensersatz bestehen, gegen wen genau diese geltend zu machen sind und wie diese schnellstmöglich durchgesetzt werden können.

 

 

WaterCoin Group: Resch Rechtsanwälte – Erfahrung im Anlegerschutz seit 1986
Resch Rechtsanwälte bieten den Anlegern der WaterCoin Group die kostenlose Prüfung ihres Falles an. Bitte füllen Sie dazu den Fragebogen aus oder rufen Sie an, unter 030 885 97 70.

 


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