Wirecard in Turbulenzen

Es ist schon ein Drama, das sich rund um den Zahlungsdienstleister Wirecard abspielt. Bücher sollen manipuliert, Umsätze erfunden und die Börsen getäuscht worden sein.  Mitarbeiter in Singapur sollen fiktive Rechnungen angefertigt haben, um die Prüfer in die Irre zu führen, so heißt es zum Beispiel in der „Financial Times“. Betrugsvorwürfe stehen im Raum.

Wirecard weist Vorwürfe zurück

Die Wirecard weist alle Vorwürfe von sich. Zehn Polizeibeamte haben in der vergangenen Woche in Singapur die Niederlassung von Wirecard durchsucht. Sie haben Laptops und anderes Beweismaterial beschlagnahmt. Wirecard erklärt dazu, dass sie eng mit der Polizei in Singapur zusammenarbeitet, um den Fall aufzuklären.

Wirecard Aktienkurs schwankt kräftig
Für die Aktionäre der Wirecard ist es trotzdem bitter. Um 14 % ist die Aktie der Wirecard am 08.02.2019 abgestürzt. Inzwischen hat sich der Kurs wieder etwas gefangen, aber niemand weiß, wie es weiter geht. Immerhin ist Wirecard eine der wichtigsten deutschen Aktienkonzerne. Seit dem September 2018 ist sie im DAX vertreten.

Was macht Wirecard?
Für das normale Publikum ist Wirecard eher eine unbekannte Größe. Wirecard kümmerte sich darum, dass beim Onlineshopping das Geld vom Käufer zum Händler kommt – egal, ob der Verbraucher das Geschäft per Überweisung, Lastschrift oder Kreditkarte begleicht.

Wirecard mit zweifelhaftem Ruf
Schon öfter stand Wirecard allerdings in dem Ruf, in fragwürdige Geschäfte verwickelt zu sein. Immer wieder gab es Gerüchte von dubiosen Geschäften. So sollte Wirecard Zahlungen für illegale Onlinecasinospiele abgewickelt haben. Auch der Verdacht von Geldwäsche stand im Raum. Jetzt aber entwickelt sich der Fall in eine weit gefährlichere Dimension.

Wirecard schaltet eigene Ermittler ein
Nachdem die Unregelmäßigkeiten im Asiengeschäft auffällig wurden, hat Wirecard eine Anwaltskanzlei eingeschaltet, um die Vorfälle aufzuklären. Die Kanzlei legte einen vorläufigen Bericht vor, in dem sie mögliche Vergehen des Dienstleisters aufgelistet hatte. Dabei ging es um Fälschung von Dokumenten oder Konten, Betrug, Untreue, Korruption und Geldwäsche. Ein Endergebnis im Hinblick auf diese Fälle liegt bis heute nicht vor.

Wirecard soll Umsätze manipuliert haben
Aber auch der Bericht der „Financial Times“ bezieht sich auf ähnliche Vorwürfe. Mitarbeiter in Singapur sollen darin geschult worden sein, wie Umsätze generiert werden, die nie bei Wirecard erzielt wurden. Gelder werden von einem deutschen Konto über eine stillgelegte Tochter in Hongkong und einen externen Kunden auf ein Wirecard-Konto in Indien geleitet und werden dort als reguläre Umsätze verbucht.

Wirecard will auf den chinesischen Markt
Die Behörden in Hongkong sollen auf diese Art und Weise von diesen fiktiven Umsätzen überzeugt worden sein, die Lizenz für den chinesischen Markt zu erteilen. Diese Lizenz für den chinesischen Markt brauchte Wirecard, um die Zahlungsdienste der Citigroup zu übernehmen. Ein Geschäft mit einer enormen Dimension. Wirecard sollte nämlich auf diese Weise Zugang zu 20.000 Händlern in 11 Ländern bekommen, von China über Neuseeland bis Indien.

Will Wirecard Asien mit Tricksereien erobern?
Nach den Ergebnissen von „Financial Times“ könnte das Ganze auch kein Einzelfall gewesen sein. Mit diesen Tricksereien soll im gesamten asiatischen Raum gearbeitet worden sein. Bislang umfassen die Ermittlungen den asiatischen Raum.

Deutsche Staatsanwaltschaft bei Wirecard nicht zuständig
Die deutsche Staatsanwaltschaft, konkret die Münchener Staatsanwaltschaft für die in Aschheim bei München beheimatete Wirecard, schreitet erst ein, wenn auch in Deutschland ein Verdacht gegen beteiligte Personen besteht. Derzeit, so teilt die Staatsanwaltschaft in München mit, gebe es keinen ausreichenden Anfangsverdacht, um ein Ermittlungsverfahren gegen Verantwortlichen der Wirecard AG einzuleiten.

Ermittlungsverfahren gegen Wirecard wegen Marktmanipulation
Nichtsdestoweniger gehen deutsche Ermittler derzeit dem Verdacht der Marktmanipulation nach. Dabei hat Wirecard selber eine Anzeige erstattet. Es soll untersucht werden, ob Spekulanten versuchen, den Kurs der Aktie zu beeinflussen. Die Wirecard dreht den Spieß um. Gegen die „Financial Times“ wehrt sich Wirecard mit juristischen Maßnahmen. Der „Financial Times“ wird eine „unethische Berichterstattung“ vorgeworfen.