Bei Anruf - Ruin!

Der Anruf zur Steuerpolitik ist oft als "Meinungsumfrage" getarnt...

Fast jeder hat ihn bekommen, den Anruf zur Steuerpolitik. Er kommt neutral und verdeckt daher. Er ist verkleidet im Mantel einer „Meinungsumfrage“.

Der Angerufene wird über seine Meinung zur Steuerpolitik gefragt, ob er glaube, seine Steuerlast sei zu hoch. Wer denkt das nicht? In Beantwortung dieser Frage erfährt der Anrufer die für ihn eigentlichen wichtigen Informationen, nämlich, ob der Angerufene überhaupt Steuern bezahlt, also Arbeit hat. Über die Steuerklasse erfährt er dann, ob der Betreffende verheiratet ist. Dieses zu wissen, ist entscheidend. Es geht nämlich nicht um eine Meinungsumfrage, das ist nur ein Vorwand. Tatsächlich werden Opfer gesucht, denen unseriöse Vertriebe eine unsinnige Kapitalanlage aufschwatzen können. Opfer kann nur werden, wer finanzierbar ist, also Arbeit hat.

Die Verbraucherzentrale Berlin nennt diese kalte Akquisition, neudeutsch „cold-call“ genannt, auch „Tatwaffe Telefon“. Die Folgen sind oft schlimmer als bei einem ordinären Raub, denn das potentielle Opfer läuft Gefahr, sich bei Durchführung dieses Geschäftes zu ruinieren. Strafrechtlich ist das ganz legal. Allerdings ist diese Art der kalten Akquisition gesetzlich nach § 1 des Gesetzes über den unlauteren Wettbewerb (UWG) verboten. Trotzdem ist sie für die meisten Vertriebe wichtigstes Tatwerkzeug zur Kundenakquisition.

Unter normalen Umständen würde der potentielle Käufer nie auf die Idee kommen, sich eine Eigentumswohnung in einer fernen Stadt zu kaufen, sich dafür hoch zu verschulden, auf lange Jahre seinen wirtschaftlichen Spielraum drastisch einzuengen und das Risiko des persönlichen Ruins einzugehen.

Über diesen Anruf zur Steuerpolitik wird er mit der Aussicht auf eine Reduzierung seiner Steuerlast gelockt. Die Ersparnisse würden dann gleich in eine private Altersvorsorge fließen. Die sichere und stets im Wert steigende Investition in Immobilien entpuppt sich später häufig genug als Albtraum. Die laufenden Kosten sind deutlich höher als versprochen. Der spätere Verkauf scheitert an der finanzierenden Bank, weil der Verkaufserlös regelmäßig nicht annähernd ausreichen wird, um den Kredit abzulösen. So ist das Opfer an die 25 Jahre an die Bank und Wohnung gefesselt. Altersarmut statt Altersvorsorge

Es bleibt  die Warnung an alle: Gleich auflegen, wenn jemand die „Tatwaffe Telefon“ auf Sie richtet! Lassen Sie sich nicht auf ein Gespräch ein, es macht keinen Sinn!