Crowdfunding-Pleiten - Verliert der Schwarm immer?

Bei allen Formen des Crowdfundings hat nur einer etwas zu verlieren und das ist der Schwarm der Investoren, also jeder einzelne Anleger. Egal ob es sich um Crowdinvesting, Crowdlending, oder das klassische Crowdfunding handelt. Natürlich war die Idee des Crowdfunding ursprünglich sehr charmant, ging es doch darum sympathische Projekte zu fördern. Hatte eine Idee bei der Crowd genügend Anklang gefunden, bekamen die Initiatoren die von vielen erbrachten kleinen Beträge ausgezahlt. Endete das ganze in einer Crowdfunding-Pleite nahmen es die Anleger eher gelassen in Kauf, weil ihnen allein der Versuch etwas Wert wahr. Kampagnen funktionierten, wenn sie die Bereitschaft weckten, etwas als kreditwürdig zu betrachten, wenngleich die Risiken schier unüberschaubar waren. Nun, nach einer nahezu euphorischen Phase in der Gegenwart angekommen, stellt sich die Situation weitestgehend anders dar. Die Investoren sind profitorientierter geworden und suchen vor allem nach hohen Renditen, die das Risiko einer Pleite angemessen abbilden. Das wird aber solange aussichtslos bleiben, bis ausreichend verwertbare Daten vorliegen, welche die Wahrscheinlichkeit einer Pleite abbilden können. Weil viele Investitionen erst in den letzten zwei bis fünf Jahren getätigt wurden, gerade die besonders riskanten Finanzierungen aber sehr lange Laufzeiten haben, ist noch gar nicht absehbar, wie viele Kredite ausfallen. Diese Quote ist aber die wichtigste Zahl um einen angemessenen Zinssatz festlegen zu können. Somit bleibt Crowdfunding in den nächsten Jahren vor allem eines, ein finanzielles Abenteuer, bei der immer mit einer Pleite gerechnet werden muss.

Crowdfunding-Pleiten: Alles wie am Grauen Markt?

Crowdfunding findet in Deutschland zumeist in der Form von Nachrangdarlehens statt. Bei Crowdfunding handelt es sich eigentlich nicht um eine echte Innovation, sondern um eine ganz normales Beteiligungsmodell, schließlich wird, wie am Grauen Markt üblich, Geld eingesammelt. Der einzige kleine Unterschied ist, dass vorher nur Menschen mit mittleren und hohen Vermögen teilnehmen konnten und nun, dank der Möglichkeiten des Internets es auch solchen mit kleinem Vermögen erlaubt ist. Die Fans des Crowdfundings bezeichnen diesen gerne als Demokratisierung des Kreditwesens. Endlich haben auch Kleinanleger die Möglichkeit zu erfahren, wie schnell man dank einer Pleite des Darlehensnehmers einen Totalverlust erleiden kann. Die Begeisterung für das Crowdfunding erschwert eine sachliche Diskussionen über derartige Geldanlagen und die Gefahr von Pleiten.

Crowdfunding-Pleiten: Höchstes Risiko bei Startup-Finanzierungen
Startups werden in der Regel von geschäftlich unerfahrenen Jungunternehmern geführt, die vielleicht BWL studiert haben, denen jedoch das viel wichtigere kaufmännische Handwerk fehlt. Startups bedienen häufig vermeintliche Nischen oder müssen den Markt für ein neues Produkt erst schaffen. Gerade innovative Produkte brauchen besonders lange einen Kundenstock zu entwickeln. Das ist kein Sprint sondern ein Dauerlauf, der in den meist viel zu optimistischen Businessplänen von Startups nicht, oder zu wenig berücksichtigt wird. Des Weiteren fehlt den Startups in den meisten Fällen Geld in Form von echtem Eigenkapital. Solches Eigenkapital ist die Reserve für die erwähnten Dauerläufe, hin zum Break-Even-Point. Je weniger man hat, desto schneller müssen Gewinne erwirtschaftet werden. Nur Eigenkapital verzeiht beim Wirtschaften Fehler und ohne, schlittert man sehr schnell in eine Pleite.

Crowdfunding-Pleiten: Interessenkonflikt der Plattformbetreiber
Zwar geben die meisten Plattformen an die Projekte und ihre Betreiber genau unter die Lupe zu nehmen und bei geringsten Zweifeln nicht zuzulassen, aber die dafür angewandten Verfahren sind meist nicht wirklich transparent und offenkundig kein wirksamer Schutz vor Pleiten der Crowdfunding-Projekte. Zudem besteht da ein ernsthafter Interessenkonflikt. Die Crowdfunding-Plattform möchte Geld verdienen und bedient sich prozentual an dem eingeworbenen Geld. Je kritischer die Auswahl der Projekte und Initiatoren, je deutlicher die Risiken einer Pleite erkennbar gemacht werden, desto weniger nimmt der Betreiber der Plattform ein. Wird dieser Zielkonflikt zu offensichtlich, schreckt das zukünftig mehr und mehr Investoren ab und die Plattform geht pleite. Aber viele Menschen verschieben kurzfristige Probleme lieber in die Zukunft, als sie in der Gegenwart zu lösen. Solches Verhalten trug maßgeblich zur Pleite der Deutschen Mikroinvest im Jahr 2016 bei.

Crowdfunding-Pleiten: Nahezu alle Plattformen betroffen
Da war die gut untersuchte Zano-Pleite auf Kickstarter. Dieses Drohnen-Projekt nahm mehr als drei Millionen Euro von über 12.000 Interessenten ein, fast alle mussten am Ende einen Totalverlust hinnehmen. Insgesamt 1.106 Investoren waren auf Companisto von der Pleite des eigentlich erfolgversprechenden Unternehmens Freygeist betroffen. Sie verloren dabei 1,5 Millionen Euro. Alle die glaubten bei Immobilienprojekten könne man nichts falsch machen wurden auf Zinsland eines besseren belehrt, als 2017 ein Immobilienprojekt in Berlin-Tempelhof scheiterte und 274 Anleger etwa eine halbe Million Euro verloren. Wer hoffte dass es sich dabei um eine Ausnahme handelte, sah sich getäuscht, als zwei Jahre später ein weiterer Immobilienentwickler, der für zwei Projekte 1,9 Millionen Euro eingesammelt hatte, Pleite ging. Bei den Ossic-Kampagnen für einen neuartigen Kopfhörer wurden auf Indiegogo und Kickstarter etwa sechs Millionen Euro eingesammelt. Trotzdem reichte den Entwicklern das Geld nicht, um die technisch anspruchsvollen Kopfhörer in die Serienproduktion gehen zu lassen, bevor sie in die Pleite schlitterten.

Crowdfunding-Pleiten: Fehlende Exit-Möglichkeiten
Ein großes Problem für die Crowdfunding-Anleger stellen die fehlenden Ausstiegsmöglichkeit bei ihren riskanten Investitionen dar. Während man seine ETFs oder Anleihen bei sich abzeichnenden Problemen jederzeit, wenngleich mit Abschlägen, verkaufen kann, ist das bei Nachrangdarlehen nur theoretisch möglich. Weil es keine Kündigungsmöglichkeit für Nachrangdarlehen gibt, kann der Geber lediglich versuchen, selbst einen Käufer zu finden und kann dann seine Anteile über die Plattform übertragen. Das ist ganz offensichtlich ein sehr unwahrscheinliches Szenario, wenn das Unternehmen bereits in Schieflage geraten ist und eine Pleite droht.

Crowdfunding-Pleiten: Schnelle Pleiten kurz nach der Finanzierung
Bei der Vibewrite-Pleite auf Seedmatch vergingen zwischen der erfolgreichen Finanzierungsrunde und der Insolvenzanmeldung gerade mal vier Monat. Dabei verloren 551 Investoren 560.250 Euro. Beim Projekt “Protonet 2” wurden gleich zwei deutsche Negativrekorde gebrochen. Bei diese Kampagne wurden 3 Millionen Euro von der Crowd eingesammelt. Nur zwei Jahre und acht Monate später meldete der Projektträger Insolvenz an. Es wurden pro Monat 93.750 Euro verbrannt. Genau 623.700 Euro sammelte das Grillsaucen-Startup BBQUE bis Januar 2018 über Kapilendo ein. Im August desselben Jahres bekamen die Kapilendo-Anleger mitgeteilt, dass die hinter dem Projekt stehende Macandoo GmbH Insolvenz anmelden musste. Wieso wurde das Projekt in dem mehrstufigen Analyseprozess von Kapilendo nicht ausgefiltert? Dass es sich dabei um keine Ausnahme handelte, zeigt das Desaster mit der E-Commerce-Firma Floerke. Da warb Kapilendo 1,2 Millionen Euro ein und nach wenigen Monaten wurde wegen Insolvenzverschleppung ermittelt. Bei diesen Geschwindigkeiten stellt sich unbedingt die Frage, ob alles mit rechten Dingen zuging, oder ob diese Crowdfundings Fälle für den Staatsanwalt sind.

Crowdfunding-Pleiten: Fazit für die Kleinanleger
Die Gefahr von Pleiten ist beim Crowdfunding höher als in anderen Anlageklassen. Die hohen Zinsen sind möglicherweise noch viel zu niedrig um das tatsächliche Verlustrisiko durch Pleiten der Projektträger abzubilden. Die Betreiber der meisten Crowdfunding-Plattform kommen zwar ihren gesetzlichen Verpflichtungen nach und weisen auf die Risiken der Anlageklasse hin, konterkarieren das aber, mit ihrer Werbung für die Kampagnen und die Plattformen selber. Selbst die scheinbar gut gemeinten Ratschläge, wie, man müsse halt nur ausreichend diversifizieren, führen die Kleinanleger letztlich in die Irre, weil solche Maßnahmen zwar geeignet sind Verluste zu minimieren, aber nicht diese zu vermeiden. Denn dabei wird regelmäßig unterschlagen, wie viele Projekte bei der Pleite eines einzigen gebraucht werden, um die Verluste auszugleichen. Dann wird auch offensichtlich, dass die Zinsen weit weniger Wert sind, als man im ersten Moment annimmt. Im Grunde genommen bleibt einem nur, von derartigen Investments Abstand zu nehmen, solange nicht der Nachweis erbracht ist, dass die Gewinnchancen höher sind, als an einem Roulette-Tisch im nächsten Casino.

Crowdfunding-Pleiten: Haftung für Verluste, Fehlanzeige?
Ohne ein qualifiziertes Gutachten lässt sich nur wenig dazu sagen. Darum ist es zunächst erforderlich die allgemeinen Fragen nach dem Schadensersatzanspruch, der Prospekthaftung, oder der Gültigkeit einer Haftungsfreistellung zu beantworten, bevor man dazu übergeht detaillierte Antworten auf sehr viel speziellere Fragen einzuholen. Diese Fragen könnten zum Beispiel lauten: Gibt es Hinweise darauf, dass die Plattform Anlagevermittlung betreibt? Hat der Betreiber der Plattform Finanzinstrumente in fremdem Namen für fremde Rechnung verkauft? War die Plattform erlaubnispflichtig?

Crowdfunding-Pleiten: Geld zurück, nur mit juristischen Mitteln
Nach Beendigung einer sachverständigen Kontrolle, lassen sich konkrete Aussagen zu möglichen Ansprüchen auf Schadensersatz treffen. Eine sachgerechte Bewertung aller Einflussfaktoren erhöht die Erfolgsaussichten beim anschließenden Vorgehen deutlich. Zumal dann auch klar ist, gegen wen die Chancen zur Durchsetzung von Ansprüchen am besten stehen.

Resch Rechtsanwälte - Anlegerschutz seit 1986
Resch Rechtsanwälte bieten den Betroffenen von Crowdfunding-Pleiten die kostenlose Prüfung ihres Falles an. Füllen Sie das Kontaktformular aus oder rufen Sie an, unter 030 885 9770.