Der Magier Thomas Werner

Thomas Werner ist mit seiner Immoratio einer der erfolgreichsten Vertriebe für Schrottimmobilien. Mit Schrottimmobilien sind nicht unbedingt Immobilien gemeint, die in einem ruinösen Zustand sind. Es sind Immobilien, deren Preis weit überhöht ist, sodass die regelmäßig auch von der Immoratio gemachten Versprechungen, das Objekt trage sich durch die Mieteinnahmen und die steuerlichen Vergünstigungen von alleine, nicht eingehalten werden. Aber Thomas Werner verzaubert seine Kunden, obwohl er ihnen existenziellen Schaden zufügt.
 
Trotzdem hat es Thomas Werner mit seiner Immoratio geschafft, weitgehend unter dem Radar der Anlegerschützer zu bleiben. Wie macht er das? Obwohl die Kunden der Immoratio recht schnell merken, dass das ihnen versprochene Konzept nicht aufgeht, gibt es erstaunlich wenige Beschwerden über die Immoratio. Der Grund dürfte darin liegen, dass anders als bei anderen Vertrieben Thomas Werner sich auch nach dem Verkauf der Wohnung um seine Schützlinge kümmert.  
 
Das unterscheidet ihn von den Vertrieben, die zwar mit ähnlichen Praktiken arbeiten, aber nach dem Verkauf der Wohnung die Kunden im Stich lassen. Thomas Werner weiß, worauf es ankommt. Es gibt regelmäßig Karten zu Weihnachten, Glückwunschkarten zu Geburtstagen und auch öfter mal Einladungen zu Veranstaltungen in der O2 World.  
 
Dort nämlich hat Thomas Werner es geschafft, als Sponsor verschiedener Sportvereine, wie der Eisbären und der Reinickendorfer Füchse, ein nach außen hin gutes Ansehen zu präsentieren. Und wenn tatsächlich mal die Not besonders groß ist, dann hilft Thomas Werner seinen von ihm getäuschten Kunden auch schon mal mit ein wenig Geld aus.  
 
Was er da macht, ist psychologisch sehr klug. Er schafft eine Art „Beißhemmung“ bei den Kunden, die zwar merken, dass die Versprechungen nicht eingehalten sind, aber Hemmungen haben, den so netten und aufmerksamen Thomas Werner wirklich dafür verantwortlich und haftbar zu  machen.  
 
Erst nach einem Artikel in der Berliner Zeitung über seine Praktiken im September 2012 machte Thomas Werner den großen Fehler, sofort sein Büro zu schließen und seine Anleger im Stich zu lassen. Das war der Dammbruch. Nachdem sie ihn nicht mehr erreichen konnten, haben dann viele Anleger den Weg zum Anwalt gewählt.