Investfinans AB – 1,2 Milliarden Euro Beute - Bank im Fokus

Die Investfinans AB, aus dem schwedischen Hägersten, westlich von Stockholm, versprach Anlegern drei bis 9,2 Prozent Zinsen auf ihr eingesetztes Kapital und gab sich in einer ziemlich groß angelegten Werbekampagne als Skandinaviens führender Immobilienfonds aus, dessen Börsengang bevorstehe. Dazu wurde behauptet, dass die Geldanlagen bei ihrer schwedischen Hausbank Svenska Handelsbanken durch eine Einlagensicherung geschützt wäre (siehe Bild). In Wahrheit handelte es sich um eine Briefkastenfirma, deren kriminelle Aktivitäten von der Türkei aus gesteuert wurden. Da wohl größere Beträge dieses Anlagebetrugs eingefroren werden konnten, sollten Anleger nun schnell aktiv werden.

Ca. 1,2 Milliarden Euro erbeuteten Betrüger mit der schwedischen Finansinvest AB

Investfinans AB: AB-Mantel gekauft
Die Investfinans aktiebolag (AB) ist in der Tat eine schwedische Aktiengesellschaft. Dazu muss man wissen, dass es in Schweden die Rechtsform der GmbH nicht gibt und deshalb oft auch kleine Unternehmen die einzige Rechtsform für eine Kapitalgesellschaft in Anspruch nehmen. So kann man auch für kleines Geld eine Aktiengesellschafts-Mantel kaufen, wie in Deutschland einen GmbH-Mantel. Das erklärt, weshalb es die Investfinans AB schon seit dem Jahr 2006 gibt.

Investfinans AB: Schlecht gemachter Internetauftritt
Die inzwischen abgeschaltete Website von Investfinans AB wurde übrigens erst am 28. September 2018 bei Godaddy angemeldet, einem vormaligen Spezialisten für anonymisierte Websites. Neben dem schlampigen Webauftritt, mit der nicht schlüssigen Sprachauswahl Deutsch/Englisch für ein schwedisches Unternehmen, fielen auch die seltsamen Beteuerungen auf: “Höchster Zinssatz auf dem Markt derzeit”, “Kein Risiko im Vergleich zu...”, “Absolute Diskretion” und ähnliches.

Investfinans AB: Handelsregisternummer inaktiv
Zwar konnten die Initiatoren auch eine Handelsregisternummer vorweisen, ohne eine solche kann man auch keine AB gründen. Die wird aber inaktiv, wenn den anderen Erfordernissen einer AB nicht entsprochen wird. Das geschieht zum Beispiel dann, wenn der Jahresabschluss nicht durch einen anerkannten Revisor eingereicht wurde. Doch auch mit inaktiver Handelsregisternummer lässt sich auf einer Website gut werben, zumindest reicht es um den Anlegern vorzugaukeln, es handle sich um eine seriöse schwedische Gesellschaft.

Investfinans AB: Prospekt für Riesenprojekt in Paris
Laut Prospekt war die Investfinans AB damit beauftragt ein 750-Millionen-Projekt am Flughafen Paris-Roissy zu stemmen. Dort sollte angeblich ein internationales Handelszentrum mit sieben Hotels, drei Ausstellungshallen, einem Clubgebäude, einem Kongress-Center, einem Bürogebäude und einem großzügigen Food-Court. Dafür sollten nochmal 200 Millionen Euro Eigenkapital eingeworben werden, nachdem die Investfinans AB schon dieselbe Summe investiert hätte und 300 Millionen Fremdkapital bereit stünden. Dazu das Leckerlie – Dank der niedrigeren als prognostizierten Baukosten wären 50 Millionen Euro weniger nötig als geplant. Was für eine großartige Projektgesellschaft, werden sich einige gedacht haben und darauf elf bis 13 Prozent Zinsen.

Investfinans AB: Weitere stutzig machende Indizien
Neben dem merkwürdigen deutsch-englischen Webauftritt des skandinavischen “Marktführers” erstaunte auch, dass es trotz des angeblich bevorstehenden Börsengangs keine Seite “Investor Relations” gab, keinen Hinweis auf Jahresabschlüsse oder die üblichen Pflichtmitteilungen zum bevorstehenden IPO von Investfinans AB. Das hielt jedoch zahlreiche eigentlich seriöse Medien nicht davon ab, Anzeigen und pseudo-redaktionelle Meldungen zu veröffentlichen, die inzwischen wieder gelöscht wurden.

Investfinans AB: Pressemitteilungen mit widersprüchlichen Angaben

Über einschlägige OTS-Netzwerke verbreitete Investfinans AB ab Oktober 2018 unzählige selbst erstellte Pressemitteilungen, in den von vorbörslichen Aktienkursen der angeblich hoch gehandelten Aktie von acht bis neun Euro genannt wurden. Woher dieser Kurs und sein Volumen herkommen, wurde natürlich nicht gesagt. Dafür wurden zahlreiche Begründungen für die postulierten Kursfantasien von 20 Euro geliefert, die allerdings einander widersprachen. Mal sollte die Investfinans AB von einer Fondsgesellschaft gekauft werden und an anderer Stelle wurde eine Fusion angekündigt.

Investfinans AB: Opfer sollten noch mal abgezogen werden
Alle Opfer erhielten nachträglich Anrufe und E-Mails von einer Secure Trading Financial Services mit Adressen in London, Luxemburg und Paris. Darin teilte diese mit, dass eine Übernahme der Investfinans AB durch ein US-amerikanisches Bauunternehmen bevorstünde, alle Festgeldkonten sollten rückabgewickelt und die Einlagesummen ausgezahlt werden. Tatsächlich sind einige Anleger dem Schwindel aufgesessen und haben nochmals Geld überwiesen und verloren.

Investfinans AB: BaFin und FMA warnten
Die Investfinans AB hatte keine Erlaubnis der schwedischen Finanzaufsicht FI (Finansinspektionen). Die österreichische FMA gab am 21. Februar eine Investorenwarnung heraus und die BaFin reagierte am 3. April 2019, untersagte der Investfinans AB das Einlagengeschäft und forderte dessen unverzügliche Rückabwicklung. Offen bleibt die Frage, warum die Svenska Handelsbanken die Konten der Investfinans AB nicht sofort einfror, nachdem die Warnungen veröffentlicht wurden.

Investfinans AB: Die Rolle der Svenska Handelsbanken
Natürlich sind die Betrüger raffiniert vorgegangen, um die Anleger zu täuschen. Merkwürdig ist aber, dass ein großes Geldinstitut nicht in der Lage ist, solche Betrügereien rechtzeitig zu erkennen. Warum wurden die durchaus vorhandenen Datenquellen nicht genutzt? Stehen der Bank keine modernen Technologien zur Verfügung um ihre Kunden zum Beispiel mittels KI zu überprüfen? Ist ihr nicht aufgefallen, dass keine Genehmigung der schwedischen Finanzaufsicht vorlag? Wurden die Geldströme nicht auf den Verdacht der Geldwäsche hin untersucht?

Investfinans AB: Schadensersatz
Selbstverständlich bestehen diese Ansprüche gegen die Hintermänner der Investfinans AB. Doch möglicherweise bestehen ebenso Ansprüche gegen die Svenska Handelsbanken. Solche sogenannten deliktischen Ansprüche entstehen immer dann, wenn jemanden ein Schaden durch eine andere Partei entsteht, ohne dass diese in einer Beziehung miteinander standen. So ist zu prüfen, ob die Bank ihren gesetzlichen Verpflichtungen nachgekommen ist. Dabei ist zu klären, ob die Bank Investfinans AB ausreichend auf ihre Geschäftstätigkeit hin geprüft hat.

Investfinans AB: Und nun?
Derartige Untersuchungen sind eine komplexe Angelegenheit, zumal sie in Schweden angestrengt werden müssen. Darum ist den betroffenen Anlegern zu raten, keine Zeit zu verlieren, um zumindest einen Teil ihrer Investitionen aus den eingefrorenen Geldern zu bekommen. Grundsätzlich sollten sich die betroffenen Anleger vor falschen Helfern in Acht nehmen, vor allem wenn Sie von anderen kontaktiert werden.

Investfinans AB: Die nächsten Schritte für betroffene Anleger
Zunächst sollten sich die betroffenen Anleger an einen fachkundigen Rechtsanwalt wenden um zu überprüfen welche Handlungsmöglichkeiten gegenüber der Investfinans AB bestehen, dabei spielt auch die individuelle Situation des Anlegers eine Rolle. So bekommen Sie Gewissheit darüber welche Ansprüche auf Schadensersatz bestehen, gegen wen genau diese geltend zu machen sind und wie die Ansprüche ohne Zeitverzug durchgesetzt werden können.

Investfinans AB: Resch Rechtsanwälte – Anlegerschutz seit 1988
Resch Rechtsanwälte bieten den Anlegern der Investfinans AB die kostenlose Prüfung  ihres Falles an. Bitte füllen Sie dazu den Fragebogen aus oder rufen Sie an, unter 030 885 97 70.