OSTSEE-ZEITUNG: Anleger: Volkssolidarität spielt bei Fonds auf Zeit

VS-Verbände monieren Befangenheit der Richter. Opferverband geht von Verzögerungstaktik aus und ruft Betroffene zu Klagen auf.

 Rostock (OZ) - „Abgesagt!“ Bernd Walter aus Kühlungsborn ist fassungslos. Er ist einer der vier Kläger, die als geprellte Anleger von Immobilienfonds der Volkssolidarität im Zivilverfahren Schadensersatzansprüche gegen die Wohlfahrtsorganisation geltend machen wollen. Am Donnerstag sollte der Prozess vor der 9. Zivilkammer des Landgerichts Rostock nach eineinhalb Jahren endlich beginnen. Gestern wurde der Termin abgesagt.

Der Grund seien Befangenheitsanträge gegen die zuständigen Richter, die zwei Beklagte, der Kreisverband Bad Doberan/Rostock-Land und der Bundesverband der Volkssolidarität (VS), gestellt hätten, informierte das Gericht. Die Anwälte der VS-Verbände meinten, aus einer öffentlichen Äußerung des Gerichtssprechers in der Presse ableiten zu können, dass sich die Kammer schon zu ihren Lasten festgelegt habe. Die Antragsteller wollen sich frühestens heute dazu äußern, wie Hans-Ulrich Bloß, Anwalt des VS-Kreisverbandes Doberan/Rostock-Land, gestern mitteilte. Über die Befangenheitsanträge soll noch in dieser Woche befunden werden. Es bleibt die Möglichkeit der Beschwerde beim Oberlandesgericht gegen die Entscheidung, erklärte Stefan Wenzel vom Landgericht. Ein neuer Verhandlungstermin ist also so schnell nicht absehbar.

 

sechs Verträge über Geldanlagen in den Pleitefonds der VS abgeschlossen hat. Insgesamt gibt es 1600 Geschädigte, die zwischen 2001 und 2009 in zwei Immobilienfonds der Kreisverbände Mecklenburg-Mitte und Doberan/Rostock-Land etwa 9,5 Millionen Euro gesteckt haben.

 

„Einige Betroffene sind schon gestorben“, sagt Gottfried Hörnig vom Interessenverband der Geschädigten (IVG). Die Vertagung des Zivilverfahrens bezeichnet er als „Katastrophe“. Die VS versuche mit aller Macht, den Prozess weiter hinauszuziehen, um sich am Ende immer weniger Klägern gegenüber zu sehen.

 

„Reine Verzögerungstaktik“, empört sich Rechtsanwalt Jochen Resch, der über den Opfer-Verband viele Anleger vertritt. Die Geschädigten seien im Schnitt um die 80 Jahre alt. „Die Volkssolidarität spielte von Anfang an auf Zeit, ihre Taktik geht offensichtlich dahin, eine biologische Lösung zu finden“, reagiert Resch wütend. Er sehe keinen Grund für Befangenheit, bemerke dafür aber ein „perfektes Timing“ der Wohlfahrtsorganisation, so kurz vor dem Verfahrensauftakt Befangenheitsanträge zu stellen. „Ich befürchte das Schlimmste“, sagt Resch: „Es wird in diesem Jahr am Gericht keinen neuen Termin mehr geben.“

 

Laut Resch müssten die Verbände der VS für die Schäden haften. Die vier Kläger wären sozusagen Musterkläger für viele andere geprellte Anleger, die nachziehen könnten. Doch das will die VS verhindern. Zum 31. Dezember verjähren nämlich alle nicht eingeklagten Forderungen. Hier greift die Verjährungsfrist von drei Jahren nach Bekanntwerden der Taten. „Deshalb fordern wir jetzt alle Betroffenen auf, noch 2012 Klage einzureichen und Geld-Ansprüche gegenüber der Volkssolidarität geltend zu machen“, erklärt Hörnig vom Geschädigten-Verband.

 

Doris Kesselring

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    Wenn Sie als Kapitalanleger Probleme haben, dann sind Resch Rechtsanwälte für Sie da.
    Wenn Sie als Kapitalanleger Probleme haben, dann sind Resch Rechtsanwälte für Sie da.

    Referenzen

    Jochen Resch mit Dr. Dr. Cay von Fournier im Interview über das Thema Exzellente Unternehmen.
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