Berliner Zeitung: Mit dem Hauptgewinn in die Pleite

SCHROTTIMMOBILIEN - Der betrügerische Handel mit Wohneigentum blüht, auch nach der Braun-Affäre. In der O2-World zum Beispiel ködert eine Firma die Besucher von Veranstaltungen mit einem Trick.

Es ist ein kalter Januartag im Jahr 2010, als Oliver Neuhaus das erste Mal in die O2 World geht. „Dinosaurier - Im Reich der Giganten" heißt das Spektakel, mit dem er seinen kleinen Sohn beglücken will.

Begleitet von lautem Brüllen und bunten Lichteffekten wird an diesem Abend die Geschichte der Dinosaurier erzählt, wie sie lebten und wie sie untergingen. Oliver Neuhaus macht an jenem Tag auch einen Schritt in Richtung Abgrund - seines eigenen, finanziellen Abgrunds.

An den Rolltreppen, die zu den Zuschauertribünen führen, wird er von jungen, attraktiven Hostessen abgefangen, die ein Gewinnspiel veranstalten. Hauptpreis: 5 000 Euro. Oliver Neuhaus muss nur eine simple Frage beantworten und seine Daten auf einer Karte eintragen. Der Veranstalter, die Firma Immoratio GmbH, ist ihm kein Begriff.

Das harmlose Gewinnspiel endet für den 44-Jährigen im Kauf zweier Immobilien. Eine ruinöse Investition, wie er heute weiß. „Etwa zwei Wochen später bekam ich einen Anruf. Ich hatte die 5000 Euro gewonnen", sagt der Familienvater, der beim Energieversorger Vattenfall im Außendienst arbeitet. Er fuhr zu der Firma, die in einem der Speichergebäude an der Stralauer Allee in Friedrichshain ihre Büros hat.

Thomas Werner, Geschäftsführer der Immoratio, habe ihn empfangen. Doch aus der vermeintlichen Gewinnübergabe wurde ein Verkaufsgespräch. Die 5000 Euro seien nur in Form eines Gutscheins einlösbar, habe Werner gesagt. Falls Neuhaus ein „Steuersparkonzept" in Anspruch nehme.

Der 44-Jährige ließ sich bei einem weiteren Termin zwei angeblich vermietete und frisch sanierte Ein-Zimmer-Wohnungen als Geldanlage aufschwatzen. Die Bausparkasse Schwäbisch Hall gewährte später ein Darlehen. Ein Sanierungsetat war in der Ankaufsberechnung nicht vorgesehen. 150000 Euro haben die Wohnungen gekostet, 1923 Euro pro Quadratmeter, Bellermannstraße 93 in Wedding, kein hochwertiges Quartier. Der mittlere Quadratmeterpreis lag 2010 in diesem Stadtteil bei gerade einmal 960 Euro.

Vom Entsetzen gepackt

„Man erklärte mir, die Wohnungen würden sich durch Mieteinnahmen und Steuereinsparungen praktisch von allein tragen", sagt Neuhaus. Thomas Werner habe Druck gemacht, es müsse schnell gehen, „zufällig" sei der Notar in wenigen Tagen im Büro. Das Kaufvertragsangebot wurde direkt im Büro der Immoratio beurkundet. So steht es in der Urkunde des Notars. Christoph B., der Thomas Werner zeitweise auch als Anwalt vertrat.

Heute kann Oliver Neuhaus kaum fassen, was ihm damals widerfahren ist. Das Entsetzen packt ihn erneut, als er in einer seiner beiden Wohnungen steht. Er sieht sie zum ersten Mal überhaupt. Vierter Stock, vierter Hinterhof. Die 39-Quadratmeter-Behausung steht leer, ist im wahrsten Sinne des Wortes Schrott:kaputteTapeten, Schimmel an den Fenstern. In der Küche steht ein uralter Kohleofen zum Kochen, Mini-Dusche ohne Wasseranschluss, kein Keramikwaschbecken, nur ein schlichtes Ausgussbecken, wie man es in Kellern verwendet. Neue Heizkörper wurden schon vor Jahren eingebaut - allerdings nicht an die Zentralheizung angeschlossen. An den Decken befinden sich Wasserflecken. Das Hausdach direkt über seiner Wohnung ist undicht, erzählen Mieter anderer Wohnungen. Während die Fassaden gestrichen wurden, habe man auf die Dachsanierung verzichtet. Aus Kostengründen. Die Wohnung, erfährt Neuhaus von der Hausverwaltung, sei unvermietbar.

Wieder unten im Hof, blickt er durch die Fenster seiner zweiten Wohnung. Er kommt nicht rein, denn sie ist vermietet. „Ach du Schande", entfährt es ihm. Auch dieses Apartment ist - entgegen den Versprechungen der Firma Immoratio - unsaniert.

„Ich habe mir vor dem Kauf ja eine Wohnung zeigen lassen", sagt Neuhaus. „Meine, wie mir der Verkäufer versicherte." Er steht im dritten Hinterhof und zeigt auf ein Fenster im vierten Stock. „Das war vom Feinsten, alles neu, mit schönem Laminat. Da wäre ich sofort eingezogen", sagt er. Doch erworben hat er andere Wohnungen.

 

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