CENTRUM Immobilien: Verkäufe ohne Rückkaufsgarantie

16.08.2011, GoMoPa
Die CENTRUM Immobilien Management GmbH aus Marburg wird ihren Wohnungskäufern für ihre seit 1996 in Leipzig verkauften 250 Edelsanierungswohnungen keine Rückkaufsgarantie geben und auch keine Kosten übernehmen, die über die einst zugesagten monatlichen Belastungen hinausgehen.

Damit wies die CENTRUM eine aktuelle Forderung der Schutzgemeinschaft für geschädigte Kapitalanleger (SgK) aus dem Gewerkschaftshaus in Berlin Scnöneberg entschieden zurück. Zwischen dem Bauträger und dem Anlegerschutzverein ist darüber ein heftiger Streit entbrannt, zu dem der Finanznachrichtendienst GoMopa.net beide Seiten befragte.

Die SgK verschickt an die CENTRUM-Wohnungskäufer eine vorgefasste Garantieerklärung (Foto), die die CENTRUM-Kunden an die CENTRUM Immobilien Management GmbH weiterreichen sollen. SgK-Vorstand Jürgen Blache schrieb den Anlegern: "Fordern Sie von der CENTRUM eine Garantie! Wenn alles so toll ist, soll Ihnen die Centrum dieses garantieren!"

Warum ist die SgK so sauer?

Jürgen Blache führte gegenüber GoMoPa.net aus: "Wir sind es leid, uns mit der CENTRUM über Fakten zu streiten, die jeder Kenner des Leipziger Wohnungsmarktes bestätigt. Wir gehen einen neuen Weg.

Die CENTRUM soll doch einfach den Käufern ihrer Wohnungen garantieren, dass die von den Vertrieben gemachten Versprechungen eingehalten werden."

GoMoPa.net: Was haben die Vertriebe denn versprochen?

Blache: "Versprochen wurde doch regelmäßig, dass sich der Erwerb der Wohnung durch die steuerlichen Vergünstigungen und Mieteinnahmen praktisch von alleine tragen wird. Versprochen wurde, dass die Wohnungen nach 10 Jahren mit Gewinn wieder verkauft werden. Wohlweislich haben die Vertriebe dieses nie schriftlich bestätigt. Obwohl dieses doch die Grundlage des Kaufes der Wohnung für die allermeisten Erwerber gewesen ist."

GoMoPa.net: Was genau soll nun garantiert werden?

Blache: "Die CENTRUM soll die Zusagen garantieren! Die CENTRUM soll also nun garantieren, dass sie die Differenz zwischen der versprochenen Zuzahlung und der tatsächlichen Zuzahlung über den Zeitraum von 10 Jahren abdeckt.

Die CENTRUM soll garantieren, dass sie die Wohnung jederzeit, spätestens aber nach 10 Jahren wieder zurück nimmt. Mindestens zum Erstverkaufspreis, den sie selber kassiert hat.

Eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Versprochen ist versprochen.  Und für die CENTRUM dürfte das doch kein Problem sein. Bekräftigt sie doch so vehement, dass die Wohnungen ihren Preis wert sind."

Die CENTRUM lehnt das kategorisch ab und liefert sich schon seit Monaten eine Brief-Schlacht mit der SgK um die Gunst der Anleger, bei der keiner zurückweicht.


Jürgen Blache fasst das Schlachtgetümmel wie folgt zusammen:

Zitat:

Seit Monaten ist die Centrum aus Marburg auf strammem Kollisionskurs mit der  Schutzgemeinschaft für geschädigte Kapitalanleger. Die SGK würde zum Zwecke "der Verunsicherung, Anleger mit einschlägigen Angstbegriffen einschüchtern", so heißt es in einem Rundbrief. Und das sind noch die netten Formulierungen.

"Vergleichswert im Erstverkauf"

Die Wohnungen der CENTRUM in Leipzig seien sehr wohl ihren Preis wert, nämlich 2.126 Euro pro Quadratmeter. So behauptet das die CENTRUM. Selbst ein Gutachter und der neutrale Gutachterausschuss würden bestätigen, dass dies der "Vergleichswert im Erstverkauf“ ist.

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XXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXX.........

XXXX XXXXX XXX XXX  XXXXXXXXXXXX

XXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXX... Hier weist die Statistik nur ganz geringe Verkaufszahlen auf.XXXXXXXXXXXXXXXXX...  Die Zahlen aus Zwangsversteigerungen fallen noch deutlich geringer aus.XXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXX...

Kredit muss abgelöst werden


Und das ist sehr verständlich. Wie soll jemand, dem im Zweitverkauf nur die Hälfte des von ihm im Erstverkauf gezahlten Kaufpreises angeboten wird, den noch offenen Kredit ablösen. Kaum jemand wird das Geld haben. Also läuft der Kreditvertrag über die ohnehin vorgesehenen 30 Jahre. In diesem Zeitraum zahlt der Anleger mehr als das Doppelte des Darlehensbetrages für eine Wohnung, die nur einen Bruchteil dieser Summe wert ist.

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XXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXX...

Allerdings werden die von Jürgen Blache und der SgK angeführten Fakten von der CENTRUM heftig widersprochen. In einer Stellungnahme, die GoMoPa.net von der CENTRUM erbat, fährt CENTRUM-Anwalt Frank Grünen aus Leipzig starke Geschütze auf.

CENTRUM: Kein Anleger fordere in Eigeninitiative eine Rückkaufgarantie

Grünen: "Die SgK behauptet, Anleger würden von unser Mandantin (CENTRUM - Anmerkung der Redaktion) Rückkaufgarantien fordern. Dies ist falsch. Richtig ist, dass nicht ein Anleger eigeninitiativ von unserer Mandantin eine Rückkaufgarantie gefordert hat. Vielmehr schrieb die SgK ungefragt und von sich aus die Kunden unserer Mandantin an und stiftete diese ausdrücklich dazu an, eine so genannte Rückkaufgarantie von unserer Mandantin zu fordern.

Hierzu übersandte die SgK den Käufern eine von ihr vorgefertigte Garantieerklärung nebst einem - ebenfalls vorgefertigten - Anschreiben der jeweiligen Käufer an unsere Mandantin. Mit diesem von der SgK vorgefertigten Schreiben sollten die Käufer von unserer Mandantin eine Rückkaufgarantie verlangen.

Die SgK schreibt im Übrigen seit 2008 Kunden unserer Mandantin - bislang bis zu 4 Mal (!) - unter deren Wohnanschriften an, wobei hier dahingestellt bleiben kann, auf welchem Weg die SgK an die entsprechenden persönlichen Daten der Kunden gelangt ist."

GoMoPa.net: Warum geben Sie den Käufern Ihrer denkmalgeschützten Wohnungen keine schriftliche Rückkaufgarantie beziehungsweise Wiederverkaufsgarantie zu dem von Ihnen ermittelten Quadratmeterpreis von rund 2.100 Euro?

Rechtsanwalt Grünen: "Hinsichtlich der von der SgK vorformulierten Garantieerklärung bezüglich eines Rückkaufes Die CENTRUM nimmt die Wohnung nach Ablauf von 10 Jahren zum ursprünglichen Kaufpreis zurück. Eine entsprechende Übernahmeerklärung wird binnen 8 Wochen notariell beurkundet. besteht aus Sicht unserer Mandantin kein Anlass für die Abgabe einer solchen - mit Verlaub - unsinnigen Garantie.

Den Verkäufern wurde bereits nicht versprochen, dass unsere Mandantin die Wohnung jederzeit, spätestens aber nach 10 Jahren, wieder zurücknimmt. Eine solche Garantie wäre für die Käufer wirtschaftlich nicht sinnvoll. Denn zum einen wären durch Abgabe einer entsprechenden Garantie schon aus Rechtsgründen die Steuervorteile nach Paragraph 7 i Einkommensteuergesetzes (EStG) gefährdet. Zum anderen können die Käufer die steuerlichen Vorteile nach § 7 i EStG über einen Zeitraum von insgesamt 12 Jahren in Anspruch nehmen.

Ferner stellt sich die Frage, weshalb unsere Mandantin nach 10 Jahren die Wohnung zum selben Preis zurückkaufen sollte, zu dem sie die Wohnung verkauft hat, während dem Käufer die erzielten Steuervorteile verbleiben (Der Erstkäufer dieser Denkmalimmobilien kann als Vermieter 100 Prozent der Sanierungskosten, verteilt auf 12 Jahre, absetzen - Anmerkung der Redaktion).

Selbst die SgK wird nicht ernsthaft behaupten wollen, den Käufern sei versprochen worden, dass ihnen eine Wohnung verkauft wird, die der Verkäufer nach 10 Jahren zum selben Kaufpreis zurückkauft. Welchen Sinn sollte dies haben? Im Übrigen müsse der Käufer doch - so die Argumentation der SgK - angeblich das Doppelte des Darlehensbetrages, der dem Kaufpreise entspreche, zahlen. Welchen Sinn sollte dann die Rückzahlung des Kaufpreises an den Käufer haben?"

GoMoPa.net: Und was ist mit der versprochenen monatlichen Höchstbelastung, warum wollen Sie die Mehrkosten nicht erstatten?

Konkret heißt es in der von der SgK vorformulierten Garantieerklärung: "Die CENTRUM übernimmt für einen Zeitraum von 10 Jahren die finanzielle Differenz zwischen den Versprechungen des Vertriebs zum finanziellen Eigenanteil und dem tatsächlichen Aufwand. Der Ausgleich erfolgt nach Vorlage einer Einnahmen-Ausgaben-Rechnung inklusive Steuererklärung für das abgelaufene Jahr. Die CENTRUM zahlt den ausgewiesenen Differenzbetrag binnen 8 Wochen nach Vorlage der Rechnung."

Rechtsanwalt Grünen: "Auch für die Abgabe einer solchen Garantie besteht für unsere Mandantin keine Veranlassung. Denn zum einen wurden den Käufern keine monatlichen Zuzahlungen in bestimmter Höhe versprochen. Zum anderen hängt die tatsächliche Höhe der monatlichen Zuzahlungen von einer Vielzahl von Umständen ab, wie beispielsweise Mieteinnahmen, Veränderungen der beruflichen Tätigkeit des Käufers, Veränderungen der persönlichen Umstände des Käufers (beispielsweise Scheidung, Arbeitslosigkeit), die zum Zeitpunkt des Kaufvertragsabschlusses weder feststehen, noch vorhersehbar sind. Hierauf wurden die Käufer von den Vertrieben vor Kaufvertragsabschluss hingewiesen. Für diese hieraus resultierenden Unwägbarkeiten kann (und muss) unsere Mandantin nicht einstehen."

GoMoPa.net: Was sagen Sie zu den Argumenten der SgK, dass es einen Zweitmarkt zum Weiterverkauf in Leipzig praktisch gar nicht gibt und dass der dann überhaupt zu erzielende Preis nach Auslaufen der Förderung nur noch bei 800 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche betragen würde?

CENTRUM: Erstverkauf und Weiterverkauf seien so unterschiedlich wie Äpfel und Birnen

Rechtsanwalt Grünen: "Die Ausführungen der SgK zu einem angeblichen Sondermarkt Leipzig sind ebenfalls falsch. So ist bereits die Behauptung falsch, der Markt werde von Bauträgern beherrscht und sie würden fast 90 Prozent des Gesamtgeschäfts ausmachen. Auch diese Behauptung wird von der SgK durch nichts unterlegt.

Eine Differenzierung zwischen Erst- und Wiederverkaufspreisen ist ferner keine Besonderheit des Immobilienmarktes in Leipzig. Vielmehr ist eine solche Differenzierung deutschlandweit allgemein üblich, was sich bereits der einschlägigen Fachliteratur entnehmen lässt. So heißt es beispielsweise bei Kleiber/Simon (schräg Verkehrswertermittlung von Grundstücken, 5. Auflage 2007, VI Besondere Immobilien/Eigentumswohnungen Rdn. 76): Wie eingangs dargestellt, muss bei Eigentumswohnungen über deren konkrete EigenschaftenWiederverkäufen hinaus nach Erstverkäufen, Wiederverkäufen unterschieden werden.

Auch in der Rechtsprechung ist eine solche Differenzierung üblich und anerkannt (beispielsweise BGH, Urteil vom 2. Juli 2004, Aktenzeichen V ZR 213/03 - für Plauen; Oberlandesgericht Dresden, Urteil vom 9. April 2008, Aktenzeichen 08 U 1819/07 - für G; Oberlandesgericht Bamberg, Urteil vom 5. Mai 2002, Aktenzeichen 5 U 22/99 - für Stadt K; Landgericht Kaiserslautern, Urteil vom 22. Dezember 2003, Aktenzeichen 2 O 628/98 - für Kaiserslautern).

Entscheidend ist, dass die SgK bei dem Vergleich der Erstverkaufs- mit Zweitverkaufspreisen - einem Vergleich von Äpfeln mit Birnen - verkennt, dass die Käufer durch den Ersterwerb - anders als der Zweiterwerber im Falle der Weiterveräußerung und des so genannten Zweitverkaufs - die erhöhten Steuerabschreibungen und -vorteile in Anspruch nehmen können, die bei der Beurteilung des Erstverkaufspreises und der Wertermittlung - auch nach der Rechtsprechung . nicht außer Betracht bleiben dürfen. Diese nach Paragraph 7 i EStG von den Käufern in Anspruch genommenen Steuervorteile verbleiben diesen auch bei einem etwaigen - späteren- Weiterverkauf der Wohnung. Insoweit führte beispielsweise das Oberlandesgericht Dresden (Urteil vom 9. April 2008, Aktenzeichen 08 U 1819/07) aus:

Zwar trifft es zu, dass nach Verbrauch des nur einmal nutzbaren beträchtlichen Steuervorteils, den ein Kapitalanleger als Ersterwerber damals erzielen konnte, die Immobilien vielfach nicht mehr zum selben Preis losgeschlagen werden kann, der Wiederverkaufswert also geringer ausfällt. Gleichwohl haftete für den Ersterwerb und Vermietungszwecke angebotenen Immobilien der steuerliche Anreiz nun einmal an. In diesem das Marktgeschehen beeinflussenden Umstand liegt kein bei der Wertermittlung auszublendendes ungewöhnliches oder persönliches Verhältnis im Sinne von Paragraph 194 BauGB, Paragraph 6 WertV. Denn der steuerliche Anreiz bestand aufgrund gesetzlicher Regelung und wurde massenhaft genutzt.

Ferner verkennt die SgK, dass die konkrete Differenz zwischen Erstverkaufs- und Zweitverkaufspreisen von einzelfallbezogenen Umständen, insbesondere auch vom zeitlichen Abstand zwischen Erstverkauf und Weiterverkauf, abhängt. So führte ein Sachverständiger in einem vom Landgericht Mannheim (Aktenzeichen 9 O 555/04) geführten Rechtsstreit zu Recht aus:

Zur Beantwortung der Fragestellung des Beweisbeschusses: Hat der tatsächliche Wert der zu sanierenden Altbauwohnung (Eigentumswohnung Nr. Â… Leipzig, Â… zum Zeitpunkt des Erwerbes dieser Wohnung am 2. Juli/6. August 1998 auch nach Durchführung der Sanierung nur 80.000 DM betragen? wurde von mir der Verkehrswert dieser Eigentumswohnung mit dem Stichtag Juli/August 1998 ermittelt. Dabei ges es um den Verkehrswert, den diese Eigentumswohnung beim erstmaligen Verkauf an einen Erwerber (Erstverkauf) nach Sanierung und Modernisierung des Mehrfamilienhauses mit Aufteilung des Mehrfamilienhaus-Grundstückes in Wohneigentum hatte, und zwar unabhängig davon, ob es sich beim Erwerber um einen Eigennutzer handelt oder nicht.

Eine Orientierung des Wertermittlungsergebnisses an erfassten Kaufpreisen aus Zweit-, Weiter- oder Wiederverkäufen ist aus diesen Gründen auszuschließen, sie wäre fachlich falsch und nicht zielführend, weil die aus diesen Verkäufen erfassten Kaufpreise und Daten Unterschiede zugrunde liegen, die in ihrem Ausmaß von der Zeitdifferenz zwischen Ersterwerb und Weiterverkauf abhängig sind.

CENTRUM: Ein Zweitmarkt für den Wiederverkauf entwickle sich sehr wohl

Rechtsanwalt Grünen: "Die Behauptung der SgK, es gäbe keinen Markt für den Zweitverkauf beziehungsweise dieser Markt würde nicht existieren, ist ebenfalls falsch. Dies ergibt sich bereits daraus, dass die SgK zur Behauptung einer angeblichen sittenwidrigen Überteuerung der Kaufpreise selbst - unzutreffend - auf Zweitverkaufspreise abstellt, was denknotwendig voraussetzt, dass es einen solchen Zweitmarkt auch gibt.

Richtig ist, dass die Zahl der Wiederverkäufe in Leipzig stetig ansteigt. So stellte der Gutachterausschuss für die Ermittlung von Grundstückspreisen in der Stadt Leipzig fest, dass der Markt von Zweitverkäufen im Jahre 2010 rund 37 Prozent (!) der Kauffälle des Sondereigentums umfasste. Es kann also keine Rede davon sein, dass dieser Markt - so wie die SgK behauptet - nicht existiert.

Gutachten gerichtlich bestellter Sachverständiger haben im Übrigen ergeben, dass sich auch die Kaufpreise für Zweit- beziehungsweise Wiederverkäufe von Eigentumswohnungen in Leipzig auf hohem Niveau bewegen und sich immer mehr einander annähern (beispielsweise Landgericht Mannheim, Aktenzeichen 3 O 295/06). Aus dem Grundstücksmarktbericht der Stadt Leipzig für das Jahr 2009 ergibt sich etwa, dass die Preise im Wiederverkauf bei sanierten Altbauten (bezugsfrei) bis zu 2.262 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche und bei sanierten Altbauten (vermietet) bis zu 1.954 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche betragen."

CENTRUM: Auch bei Zweitverkauf erzielen hochwertige Wohnungen bis 2.100 Euro pro Quadratmeter

Rechtsanwalt Grünen: "Ebenso falsch ist die pauschale Behauptung der SgK, der im Weiterverkauf zu erzielende Preis nach Auslaufen der Förderung - wir gehen davon aus, dass die SgK insoweit die Steuervorteile nach Paragraph 7 i EStG meint - läge nur noch bei 800 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche. Insbesondere auf Wohnungen unserer Mandantin trifft dies nicht zu.

In Leipzig lagen nach dem Grundstücksmarktbericht 2009 die Preise im Wiederverkauf bei sanierten Altbauten (bezugsfrei) im Mittel bei 1.014 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche und bei sanierten (vermietet) bei 1.147 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche. Dabei ist zu berücksichtigen, dass es sich bei diesen Preisen um rechnerische Durchschnittspreise handelt. Bei diesen Werten sind auch niedrige Preise eingeflossen, die nur aufgrund besonderer Einzelumstände erzielt wurden (wie beispielsweise Paketverkäufe und Verkäufe von work-out-Abteilungen von Banken). Bei dem Zweitverkauf hochwertiger Wohnungen, wie die unserer Mandantin, liegen die Preise hingegen zwischen rund 1.500 bis rund 2.100 Euro pro Quadratmeter."

SgK bleibt bei Ihrer Forderung nach einer Garantieerklärung

Was sagt nun die SgK zu den erdrückenden Ausführungen des CENTRUM-Anwalts? SgK-Vorstand Jürgen Blache lässt sich davon nicht beeindrucken. Er teilte GoMoPa.net dazu mit:

Zitat:


Die CENTRUM hat bei Herrn Rechtsanwalt Grünen eine Menge Zitate aus Urteilen und Sachverständigenberichten zitiert. Wir können auf die Schnelle nicht überprüfen, inwieweit die Zitate zutreffend wiedergegeben sind. Wir vermuten, dass hier zu mindestens sinnentstellend zitiert wird. Möge er sie gegebenenfalls vorlegen.

Im Ergebnis kommt es darauf auch gar nicht an. Selbst wenn alles wahr wäre, dann könnte doch die CENTRUM eine derartige Garantieerklärung abgeben.

Dass die Rückabwicklung in dem einen oder anderen Fall steuerliche Konsequenzen haben mag, werden viele Eigentümer akzeptieren. Diese möglichen Nachteile sind "Peanuts" zu dem Schaden, der ihnen auf die übliche Laufzeit von 30 Jahren entsteht.

Deshalb die einfache Lösung: Wenn doch alles so toll ist und die Wertentwicklung so positiv zu erwarten ist, dann möge die CENTRUM eine derartige Erklärung zur Rücknahme beziehungsweise zum Weiterverkauf übernehmen.

Das wird sie schwerlich tun. Die CENTRUM weiß, dass die Ausführungen zu den Preisentwicklungen "Unsinn" sind. Die Marktentwicklung bei dem "Weiterverkauf" ist praktisch nicht existent. Wir schauen nicht in irgendwelche "klugen" Ausführungen von Gutachtern, sondern wir machen Feldversuche. Und hier sind die Ergebnisse mehr als ernüchternd. Darum, und nur darum, will die CENTRUM eine derartige Garantieerklärung nicht abgeben.

Und natürlich weiß die CENTRUM auch, dass niemand die Wohnung gekauft hätte, wenn nicht konkrete Angaben zur monatlichen Belastung von Seiten des Vertriebes abgegeben worden wäre. Der Erwerber würde sich auf das Risiko einer unkalkulierbaren monatlichen Zuzahlung einlassen? Gewiss niemand.

Wir können dutzende von Wohnungskäufern benennen, denen versprochen wurde, dass sich der Erwerb der Eigentumswohnung durch die steuerlichen Vergünstigungen und die Mieteinnahmen praktisch von alleine tragen würde. Die Praktiken der Vertriebe sind uns hinlänglich bekannt. Die Kontaktanbahnung erfolgt  mit dem unerlaubten "Cold Call". Die Käufer werden regelmäßig überrumpelt, bereits im zweiten Termin zum Notar gebracht mit der Lüge, es sei gerade ein Termin frei geworden und es ginge ja nur um eine Reservierung oder lediglich um ein Angebot. Die eigentliche Entscheidung, ob man die Wohnungen (das Steuermodell) kaufen wolle, würde erst später zu treffen sein. Dieses können wir an Dutzenden von Beispielen aufzeigen.

Wir bleiben also bei unserer einfachen Überlegung, die ja zumindest im Hinblick auf die Preisentwicklung von Rechtsanwalt Grünen noch gestützt wird. Die CENTRUm soll die Zusagen der Vertriebe garantieren und später die Wohnung zum Einstiegspreis wieder abnehmen. Folgt man den Ausführungen von Grünen, wäre das ja sogar noch ein Schnäppchen. Wo hat die CENTRUM ein Problem?

Ob die Garantieerklärung so oder so formuliert wird, ist egal. Es kommt darauf an, dass der Verkäufer zu den Versprechungen der Vertriebe steht. Das ist das Entscheidende.

CENTRUM schießt nun aus vollen Rohren gegen SgK

Mit harschen Worten weist die CENTRUM die SgK-Forderung zurück und droht der SgK mit dem Erlass einer einstweiligen Verfügung, wenn die SgK nicht eine Unterlassungserklärung unterschreibt.

Rechtsanwalt schickte GoMoPa.net folgende Stellungnahme:

Zitat:

Die "Entgegnungen" von Herrn Blache liegen - wie gewohnt - neben der Sache. Herr Blache als (bauvorlageberechtigtes) Mitglied der Baukammer Berlin sollte den Bauträgermarkt besser kennen und wissen, dass seine Ausführungen weder tragen, noch von Sachverständigen bestätigt werden.

Erst gestern (9. August 2011 - Anmerkung der Redaktion) bestätigte - erneut - ein öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger in einem (Rückabwicklungs-)Verfahren vor dem Landgericht Berlin, dass es signifikante Unterschiede zwischen Erstverkaufs- und Zweitverkaufspreisen gibt, die in erster Linie auf den von uns bereits dargestellten steuerlichen Implikationen beruhen und die gängigen Erstverkaufspreise dem Markt- und Verkehrswert entsprechen.

Im Übrigen hat unsere Mandantin zwischenzeitlich die SgK und deren Vorstände wegen der vielfachen Falschbehauptungen auf der Internetseite der SgK und deren Rundschreiben abgemahnt.

Unsere Mandantin wird unverzüglich den Erlass einer einstweiligen Verfügung beantragen, wenn von der SgK und deren Vorständen nicht fristgemäß eine strafbewehrte Unterlassungserklärung abgegeben wird.


Damit scheint eine nächste Runde im Streit um die schriftliche Garantien für von Vertrieben abgegebene Versprechen eingeläutet zu sein.

CENTRUM wurde für falsches Mietversprechen vom Landgericht Berlin verurteilt

Gerade wegen der abgegebenen und nicht gehaltenen Versprechen eines ihrer Vertriebspartner wurde die CENTRUM am 4. April 2011 vom Landgericht Berlin zum Schadenersatz und zur Rückabwicklung eines Wohnungskaufs verurteilt.

Denn ihr Vertrieb, die als "Wirtschaftsberatung" getarnte Kloppertruppe der XXXXXX um XXXXXXXXX und XXXXXXXXX aus Berlin, gab für eine Leipziger Wohnung ein unrealistisches Mietversprechen ab. Für eine 100.000 Euro teure, 50 Quadratmeter große und damit 2.000 Euro pro Quadratmeter teure Mietwohnung, deren Sanierungskostenanteil 75.000 Euro betrug, rechnete die Prime Estate im Jahre 2006 einem 50jährigen Ehepaar aus dem Land Brandenburg vor, dass sie aus der Wohnung eine Miete von 300 Euro kalt bekommen würde, wie aus dem Gesprächsprotokoll zu entnehmen ist.

Die Wohnung sollte sich damit fast vollständig, also ohne Zuzahlung der Normalverdiener (beide zusammen verdienen 2.000 Euro), tragen. Dem Ehepaar fehlten aber dann jeden Monat 40 Euro an Einnahmen, weil die Wohnung höchstens 260 Euro an Kaltmiete erzielen konnte.

"Das war den Verkäufern bekannt, sie haben wissentlich falsche Angaben gemacht", erläutert Manfred Resch von der Berliner Anlegerschutzkanzlei Resch Rechtsanwälte, die für das Käuferpaar vor Gericht zog und gewann, gegenüber GoMoPa.net.

GoMoPa.net: Wie begründete das Landgericht Berlin sein Urteil?

Manfred Resch: "Das Gericht sah es als erwiesen an, dass zwischen der Centrum Immobilien und den Klägern ein Beratungsvertrag zustande gekommen ist und die Beratung bezüglich der monatlichen Belastung, mit welcher die Kläger zu rechnen hätten, aufgrund eines falschen Mietversprechens falsch war."
 

Imagefilm

Wenn Sie als Kapitalanleger Probleme haben, dann sind Resch Rechtsanwälte für Sie da.
Wenn Sie als Kapitalanleger Probleme haben, dann sind Resch Rechtsanwälte für Sie da.

Referenzen

Jochen Resch mit Dr. Dr. Cay von Fournier im Interview über das Thema Exzellente Unternehmen.
Jochen Resch mit Dr. Dr. Cay von Fournier im Interview über das Thema Exzellente Unternehmen.