FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND - Da werden ganze Märchen erzählt

Besitzer von Schrottimmobilien, die ihre Häuser mit Verlust abstoßen müssen, können die Zinsen für ihre Kredite jetzt absetzen (BFH, Az.: IX R 67/10). Jochen Resch, Anwalt für Anlegerschutz erklärt, warum viele Hausbesitzer durch Anlageberater um ihr Geld gebracht wurden

Das Urteil ist für geprellte Immobilienanleger eine gute Nachricht, oder?
Ja, ich bin sehr froh über dieses Urteil. Davon profitieren Anleger, die mit einem Immobilienverkauf ordentlich Minus gemacht haben. Wir vertreten ganz häufig Mandanten, die sich gar nicht bewusst waren, dass sie eine Immobilie erworben hatten. Da wurde mit dem Stichwort „Steuersparmodell“ großer Schaden angerichtet. Den Anlegern wurde erzählt, sie seien nur auf dem Papier Eigentümer geworden.

Was genau bekommen die Anleger jetzt zurück?
Anleger können jetzt in der Steuererklärung die Zinsen angeben, die sie auf ihre Schulden bei der Bank zahlen. Wenn sie eine Immobilie mit Verlust verkauft haben, und ihrer Bank beispielsweise noch 20 000 Euro schulden, dann entfallen da gern mal 6000, vielleicht auch 7000 Euro Zinsen drauf. Wenn die jetzt bei der Steuer abgesetzt werden, können da 2000 bis 3000 Euro zurückkommen.

Bekommt man die Steuer auch noch rückwirkend erstattet?

Möglicherweise noch für das vergangene Jahr. Das Urteil hat aber vor allem Wirkung für zukünftige Fälle. Allen, die ihre Schrottimmobilien verkauft haben und jetzt die Schulden bei der Bank abzahlen, ist ab jetzt die Tilgung ihrer Schulden erleichtert.

Was sollten Anleger beachten, die eine Immobilie kaufen wollen?

Erst mal ist die richtige Beratung wichtig. Unseriöse Anlageberater nehmen 30 Prozent Provision. Die können die Anleger zwar von der Steuer absetzen, aber da haben sie ja nichts von. Fünf Prozent Provision sind normal. Außerdem müssen Anleger den richtigen Preis zahlen. Und richtig bedeutet dabei realistisch. Wenn eine Immobilie nicht das wert ist, was der Kunde dafür zahlt, dann macht er ein schlechtes Geschäft.

Und spart auch keine Steuern.

Sie können mit Immobilien keine Steuern sparen. Es gibt Anlageberater, die schleppen ihre Kunden nach einer Stunde Verkaufsgespräch zum Notar. Da werden ganze Märchen erzählt, der Kunde versteht meistens kein Wort. Die Wahrheit ist folgende: Anleger können jährlich zwei Prozent vom Gebäudewert, die Zinsen und das Hausgeld für Instandhaltung und Verwaltung abschreiben. Das ist nicht viel. Sie müssen ja immer die Miete gegenrechnen. Eine Immobilie lohnt sich nur, wenn sie mit der Jahresmiete ein Vielfaches des Quadratmeterpreises wieder reinkriegen.

Und wie kommt es dann, dass Immobilien immer noch so eine beliebte Anlage sind?

Die Anlageberater haben mit dem „Steuervorteil“ viel Werbung gemacht. Vielen erscheint das sehr verlockend. Das böse Erwachen kommt dann irgendwann. Wenn Sie in einer Toplage investieren, dann bekommen Sie ja auch viel Miete als Gegenleistung. Für den Normalverdiener ist die Immobilienanlage dagegen nichts. Ich kenne zumindest keine Erfolgsstory.

INTERVIEW: KATHARINA PEUKE

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Wenn Sie als Kapitalanleger Probleme haben, dann sind Resch Rechtsanwälte für Sie da.
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Referenzen

Jochen Resch mit Dr. Dr. Cay von Fournier im Interview über das Thema Exzellente Unternehmen.
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