Sorge um Captura GmbH

Gestern meldeten sich Vertriebler und Makler beim Finanznachrichtendienst GoMoPa.net, die mehrere Hunderttausend Euro als Inhaberschuldverschreibungen und Nachrangdarlehen der Immobilien-Beteiligungsgesellschaft Captura GmbH der Brüder Marcus Horst Scheffold (48) und Christoph Scheffold (33) mit Sitz in Grasbrunn bei München anvertraut hatten und in großer Sorge sind.

Die Fragen und Schilderungen reichen von "Ist die Captura platt?" über "Wir können keine Verkaufsunterlagen mehr downloaden." bis "Es werden keine E-Mails mehr beantwortet." Selbst der Facebook-Auftritt ist verschwunden.

Die Captura GmbH existiert seit fünf Jahren und prognostizierte ihren privaten Geldgebern eine Jahresrendite von 7 bis 9 Prozent. 30 Projektgesellschaften sind deutschlandweit am Laufen, wovon nur 7 als Kommanditgesellschaften konzipiert sind und damit über eine Haftungssackgasse in Form einer Komplementärgesellschaft verfügen. Der Rest sind Gesellschaften bürgerlichen Rechts ohne Haftungsbeschränkungen.

Noch Anfang Juni 2015 ging der geschäftsführende Gesellschafter Marcus Scheffold im GoMoPa.net-Interview davon aus, dass Geschäftszahlen für 2014 noch besser ausfallen würden als 2013, wo die Bilanzsumme bei rund 33 Millionen Euro lag (rund 6 Millionen Euro mehr als 2012) und der Bilanzgewinn sich mit rund 346.000 Euro in etwa verdreifachte.

Doch wie passt das mit dem plötzlichen Vertriebs-Kontakt-Abbruch zusammen?

GoMoPa.net hakte gestern in der Firmenzentrale nach, wollte einen der beiden Brüder sprechen. Nach kurzer Rücksprache erhielt GoMoPa.net die Auskunft: "Wir arbeiten an einer Stellungnahme, die Sie morgen von Christoph Scheffold erhalten werden."

GoMoPa.net: Heute gibt es keinen einzigen Satz zur Lage bei der Captura?

Captura-Sekretariat: "Leider nein."

Auf ihrer Internetseite gibt die Captura GmbH als Netzwerkpartner die Condrac GmbH aus Bad Lausick in Sachsen an. Wörtlich heißt es:

Zitat:

Im Bereich Bauplanung und Vertrieb ist die Condrac GmbH ein bedeutender Partner an der Seite der Captura GmbH.

GoMoPa.net rief bei Condrac-Geschäftsführer Thomas Dost an, wollte wissen, was mit dem Vertrieb der Captura los ist.

Dost: "Wir haben mit dem Vertrieb der Captura nichts zu tun."

GoMoPa.net: Aber das steht auf der Internetseite der Captura.

 
Dost: "Wir haben nie Darlehen oder Inhaberschuldverschreibungen vermittelt. Wir haben auch keine Projekte vermittelt, sonder nur ein Projekt geplant. Weitere Planungen sind in Arbeit."

Nachrichten über aktuelle Probleme bei der Captura seien ihm nicht bekannt.

Die Captura GmbH wirbt mit einer Treuhand-Sicherheit für die Darlehen. Treuhänder ist der Arbeitsrechts-Anwalt Florian Wehner auf dem Maximilianplatz 17 in München, auf den die Scheffold-Brüder, wie Marcus Scheffold gegenüber GoMoPa.net beteuerte, keinerlei Einfluss haben würden.

Auf die Nachfrage bei der Kanzlei Grasmüller & Wehner nach der Catura GmbH nimmt der Treuhänder das Telefongespräch von GoMoPa.net nicht persönlich an, sondern lässt ausrichten: Er werde keine Auskünfte geben. GoMoPa.net müsste sich an die Captura wenden.

Der Berliner Anlegerschutz-Anwalt und Vorsitzende der Verbraucherzentrale Brandenburg, Jochen Resch, aus Berlin Charlottenburg hält die von der Captura angepriesene Sicherheit für "irreführend".

Resch teilte dazu mit:

Zitat:

Dass ein externer und unabhängiger Treuhänder eine lückenlose und effektive Mittelverwendungs- und Mittelschlusskontrolle ausübt, ändert nichts an dem strukturellen Risiko, dass der Darlehensgeber mit seinem Nachrangdarlehen eingeht. Schön ist zu wissen, dass ein Rechtsanwalt aufpasst, dass das Geld nicht offenkundig veruntreut wird.

Strukturelles und immanentes Risiko


Aber dass das finanzierte Projekt des mittelständischen Unternehmens erfolgreich durchgeführt werden kann, liegt nicht in seiner Macht. Deswegen ist die vermeintliche Sicherheit durch den Treuhänder ?irreführend?, denn das strukturelle unternehmerische Risiko und damit das Risiko des Totalverlustes sind, wie der aufmerksame Leser natürlich dem Text entnehmen kann, nicht ausgeschlossen.


Nur für Anleger mit starken Nerven

Die Captura Nachrangdarlehen sein deshalb nur etwas für Investoren mit starken Nerven, die den Verlust ihres Nachrangdarlehens verkraften können. Den Zinsen zwischen 7 und 8 Prozent stünden die entsprechenden Risiken des Totalverlustes gegenüber.

Im GoMoPa.net-Interview gab Initiator Marcus Scheffold vor drei Monaten auch unumwunden zu: "Bei uns kaufen Sie eine Anlage ohne die üblichen Garantien." Der Verkaufs-Renner waren zuletzt unbefristete Nachrangdarlehen mit bis zu 7.95 Prozent im ersten Jahr und bis zu 9,15 Prozent im fünften Jahr der Vertragslaufzeit ab einem Mindesteinsatz von 10.000 Euro. An den Vertrieb gingen davon 6 bis 7 Prozent Provision. Nun denn...

Imagefilm

Wenn Sie als Kapitalanleger Probleme haben, dann sind Resch Rechtsanwälte für Sie da.
Wenn Sie als Kapitalanleger Probleme haben, dann sind Resch Rechtsanwälte für Sie da.

Referenzen

Jochen Resch mit Dr. Dr. Cay von Fournier im Interview über das Thema Exzellente Unternehmen.
Jochen Resch mit Dr. Dr. Cay von Fournier im Interview über das Thema Exzellente Unternehmen.