Schiffsfonds und ihre Risiken | mit Anlegeranwalt Jochen Resch

Schiffsfonds sind eine verbreitete Geldanlage, die in letzter Zeit viele Probleme verursachen. Doch was kann man machen, wenn man Investor eines solchen Fonds ist?

Schiffsfonds und ihre Risiken | mit Anlegeranwalt Jochen Resch
Schiffsfonds und ihre Risiken | mit Anlegeranwalt Jochen Resch

Schiffsfonds und ihre Risiken

Fernsehanwalt Alexander Bredereck:
Viele Anleger haben Schiffsfonds gezeichnet. Ich habe gehört, dass Schiffsfonds in der Krise sind. Stimmt das? Was können die Anleger dann tun?

Anlegeranwalt Jochen Resch:
Ja, die ganze Branche ist in einer tiefen Krise, schon seit Jahren. Es gibt Überkapazitäten. Das führt zu fallenden Charterraten. Viele Schiffsfonds haben Probleme. Die Schiffe können die Betriebskosten und die Kosten der Fremdfinanzierung nicht mehr bedienen. Unzählige Fonds sind insolvent oder können gerade mal so vor sich hin vegetieren.

Fernsehanwalt Alexander Bredereck:
Was kann der Anleger denn tun?

Anlegeranwalt Jochen Resch:
Man sollte Schadensersatzansprüche prüfen lassen. Viele Anleger sind völlig falsch beraten worden und wussten nicht, auf welches Abenteuer sie sich einlassen.

Fernsehanwalt Alexander Bredereck:
Wie ist das gemeint? Inwieweit sind Anleger falsch beraten worden?

Anlegeranwalt Jochen Resch:
Das fängt schon mal damit an, dass die meisten gar nicht wissen, dass sie sich an einer Kommanditgesellschaft beteiligen. Schiffsfonds sind in der Rechtsform einer Kommanditgesellschaft errichtet. Der Anleger wird also Kommanditist und damit sind bestimmte Risiken verbunden.

Fernsehanwalt Alexander Bredereck:
Welche Risiken sind damit gemeint?

Anlegeranwalt Jochen Resch:
Zunächst muss man sich erst bewusst machen, dass es sich um eine unternehmerische Beteiligung handelt und der wohnt grundsätzlich schon mal das Risiko des Totalverlustes inne. Es ist also für sicherheitsorientierte Anleger völlig ungeeignet.

Fernsehanwalt Alexander Bredereck:
Wieso weiß der Anleger das nicht? Er muss sich doch Gedanken machen.

Anlegeranwalt Jochen Resch:
Ja, nur bedingt. Die meisten Schiffsfonds sind ja von Banken vermittelt worden. Da guckt die Bank, wie viel Geld der Anleger auf seinem Konto hat und in einem Beratungsgespräch wird dann gesagt, dass es noch viel bessere Anlagemöglichkeiten gibt als ein Festgeldkonto, mit viel besserer Rendite. Da werden dann die Risiken ausgeblendet.

Fernsehanwalt Alexander Bredereck:
Muss sich ein Anleger nicht selber darum kümmern?

Anlegeranwalt Jochen Resch:
Nein, in einem solchen Beratungsgespräch muss der Anlageberater seinen Kunden anleger- und anlagegerecht beraten, so sagt es der Bundesgerichtshof. Der Berater muss also genau prüfen, ob der von ihm empfohlene Schiffsfonds zu den persönlichen Bedürfnissen des Kunden passt. Also eine individuelle Prüfung mit einer umfassenden Beratungspflicht.

Fernsehanwalt Alexander Bredereck:
Was sind die konkreten Ansätze?

Anlegeranwalt Jochen Resch:
Wenn der Anleger falsch beraten wird, hat er grundsätzlich Ansprüche auf Schadensersatz.

Fernsehanwalt Alexander Bredereck:
Und was bedeutet das im Einzelnen?

Anlegeranwalt Jochen Resch:
Also neben der schon genannten umfassenden anleger- und anlagegerechten Beratung gehört, dass der Kunde auch darüber aufgeklärt wird, dass die Beteiligung an einer Kommanditgesellschaft eben langfristig ist. Man kann nicht jederzeit aussteigen und sein Geld wieder zurückverlangen. Es ist eine unternehmerische Beteiligung, also auf die mangelnde Verkäuflichkeit – die Fungibilität – muss hingewiesen werden. Zwar gibt es einen Zweitmarkt, aber um den muss man sich selber kümmern und was man da bekommt, ist meistens nur ein Bruchteil seines eingezahlten Geldes. Dann müssen Anleger darauf hingewiesen werden, dass sie unter Umständen die erhaltenen Ausschüttungen zurückbezahlen müssen.

Fernsehanwalt Alexander Bredereck:
Was bedeutet das? Ist damit gemeint, dass die Ausschüttungen zurückgezahlt werden müssen?

Anlegeranwalt Jochen Resch:
Man tritt als Kommanditist einer Kommanditgesellschaft bei und ist erst von seiner persönlichen Haftung befreit, wenn man seine Einlage vollständig erbracht hat. Das haben die meisten Anleger getan. Was ihnen aber nicht bewusst ist, ist, dass die Ausschüttungen, die sie zum Anfang erhalten, regelmäßig nicht durch Gewinne erwirtschaftet sind, sondern dass sie einfach nur ihr eigenes Geld zurückbekommen und in dieser Höhe lebt die persönliche Haftung wieder auf. Das ist keine theoretische Gefahr, sondern wir erleben regelmäßig, dass aus gescheiterten Fonds solche Rückforderungen von gewinnunabhängigen Ausschüttungen gefordert wurden. Also der Anleger muss nach der neueren Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes darauf hingewiesen werden, dass er nicht Rendite und Ausschüttungen mit Gewinn verwechseln darf und dass eine Rückzahlungsverpflichtung grundsätzlich droht nach § 172 Handelsgesetzbuch.

Fernsehanwalt Alexander Bredereck:
Welche Aspekte müssen noch berücksichtigt werden?

Anlegeranwalt Jochen Resch:
Wenn die Beteiligung über eine Bank vermittelt wurde, muss diese zudem ungefragt auf die verdeckte Innenprovision hinweisen, die sie regelmäßig neben dem Agio noch erhält.

Fernsehanwalt Alexander Bredereck:
Was ist mit einer verdeckten Innenprovision gemeint?

Anlegeranwalt Jochen Resch:
Was das Agio ist, wissen die meisten Anleger. Sie halten das für eine Art Provision, die die Bank oder der Vermittler für seine Tätigkeit erhält. Sie sind manchmal auch ganz stolz, wenn sie da noch ein bisschen verhandeln können und das Agio reduziert wird. Was die meisten aber nicht wissen, ist, dass es noch eine zweite Provision gibt, eine verdeckte Provision. Der Bundesgerichtshof nennt es Rückvergütung oder Kick-back-Zahlung. Hier bekommt die vermittelnde Bank noch eine weitere Provision für die Vermittlung extra. Da muss nach der herrschenden Rechtsprechung die Bank Aufklärung leisten. Sie muss das dem Kunden mitteilen. Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes ist darin ein Interessenkonflikt zu sehen, der dem Kunden ungefragt mitgeteilt werden muss. Allein das ist ein Grund, weswegen die Bank zu Schadensersatz verpflichtet ist, wenn sie eine solche Aufklärung unterlässt. Also sie ist gehalten, den Kunden ungefragt auf diese Provision hinzuweisen.

Fernsehanwalt Alexander Bredereck:
Das sind die Gründe, auf denen ein Schadensersatzanspruch beruht?

Anlegeranwalt Jochen Resch:
Ja, jeder für sich genommen reicht aus, um einen Schadensersatzanspruch zu begründen. Der Anleger wird dann so gestellt, als hätte er die Beteiligung an diesem betreffenden Schiffsfonds nicht gezeichnet. Alles auf Null zurück.

Fernsehanwalt Alexander Bredereck:
Ist das so einfach?

Anlegeranwalt Jochen Resch:
Grundsätzlich ja, aber man muss immer den Einzelfall sehen. Man muss sehr genau vortragen. Es gibt keine Sammelklagen in Deutschland. Also man kann nicht sagen, wir schließen uns mit anderen zusammen. Es kommt auf die Einzelfallprüfung an und auf die Individualisierung des Anspruches. Wenn man dann alles richtig macht und die entsprechenden Beweise hat, funktioniert das.
 

 

 

 

 

 

 

 

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Wenn Sie als Kapitalanleger Probleme haben, dann sind Resch Rechtsanwälte für Sie da.
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Referenzen

Jochen Resch mit Dr. Dr. Cay von Fournier im Interview über das Thema Exzellente Unternehmen.
Jochen Resch mit Dr. Dr. Cay von Fournier im Interview über das Thema Exzellente Unternehmen.