nordkurier: Volkssolidarität-Anleger in Zeitnot

Im Immobilienskandal des Wohlfahrtverbandes enden mit dem Jahr 2012 alle Verjährungsfristen. Wer seine Chance auf Entschädigung wahren will, muss handeln.

 Rostock (mart)

In der unendlichen Geschichte vom Immobilienskandal der Volkssolidarität droht ein trauriges Ende für die Anleger: Der Großteil der 1600 Geschädigten könnte nach Einschätzung der Verbraucherzentrale (VZ) Mecklenburg-Vorpommern leer ausgehen. Ende des Jahres verjähren alle Forderungen, wie VZ-Vorstand Jürgen Fischer am Dienstag in Rostock sagte. Wer bis dahin weder eine Schlichtung beantragt noch eine Schadenersatzklage eingereicht habe, vergebe die Chance, vielleicht doch einen Teil seines verlorenen Geldes wiederzusehen. „Es ist fünf vor 12“, sagte er.

Vertrauen der Mitglieder missbraucht

Im Herbst 2009 war die Pleite von zwei Immobilienfonds des Wohlfahrtverbandes bekannt geworden: Der Schaden wird auf neun Millionen Euro geschätzt. Geld, das überwiegend ältere Menschen „ihrer“ Volkssolidarität anvertraut hatten in der Hoffnung, ihre Ersparnisse sicher und sozialverträglich wachsen zu lassen.

Die nunmehr entstandene Zeitnot hat nach Ansicht von VZ-Vorstand Fischer zwei Gründe: Zum einen schleife die juristische Aufarbeitung bei Justizbehörden des Landes, zum anderen wirke sich die „sture Haltung“ der Volkssolidarität aus. „Für sie stehen die Chancen nicht schlecht, das Problem durch Verjährung zu lösen“, urteilt Rechtsanwalt Jochen Resch. Der Jurist aus Berlin, spezialisiert auf Anlegerrechte, berät die Verbraucherzentrale und vertritt rund 70 Betroffene. Etwa 300 weitere kämpfen in einem Geschädigtenverband gemeinsam um ihre Rechte.

Volkssolidarität stellte Befangenheitsantrag gegen die Richter

Im Januar hatte die Staatsanwaltschaft am Landgericht Rostock gegen zwei mutmaßliche Hauptdrahtzieher der Pleite-Fonds Anklage erhoben. Den früheren Geschäftsführern der Volkssolidarität im Kreis Rostock-Land und Mittleres Mecklenburg wird schwerer Betrug und Insolvenzverschleppung vorgeworfen. Darüber hinaus liegen seit 2010 vier Zivilklagen am Landgericht Rostock vor.

Ein erster Verhandlungstermin platzte, da die Volkssolidarität einen Befangenheitsantrag gegen die Richter gestellt hatte. Das Gericht wies den Verdacht zurück, nach dem Einspruch der Volkssolidarität ist nun das Oberlandesgericht gefragt. Zudem warten etwa 50 bis 60 Anträge auf Schlichtung bei der Öffentlichen Rechtsauskunft- und Vergleichsstelle Hamburg auf Bearbeitung. Sie schieben die Verjährungsfrist auf.

Darum hofft Anwalt Jochen Resch, dass bis Jahresende weitere Schlichtungsanträge hinzukommen. Im laufenden Insolvenzverfahren ist nach Einschätzung der Verbraucherzentrale für die geprellten Kleinanleger nichts zu holen. „Alles was irgendwie verfügbar ist, geht an die Banken“, schätzt Jürgen Fischer ein.

Triumph der Ungerechtigkeit

Drei Jahre sind vergangen, seit die Immobilienblase der Volkssolidarität in Mecklenburg-Vorpommern geplatzt ist. Rund 1600 Frauen und Männer, zumeist aus der Altersgruppe 70plus, mussten hinnehmen, dass ihre sicher geglaubten Geldanlagen, die Hoffnung auf zuverlässige Nebeneinkünfte im Alter, den Bach hinunter gingen. Die Führungsriege der Kreisverbände Rostock-Land und Mittleres Mecklenburg hatte sich verspekuliert. Wer kann sich die Enttäuschung vorstellen? Die Enttäuschung der Rostocker Rentnerin zum Beispiel, die dem Sozialverband ihre gesamten Ersparnisse anvertraut hatte. Heute ist die alte Dame regelmäßig beim Flaschensammeln zu sehen. Wird sie je etwas von ihrem Geld zurückbekommen, überhaupt den Ausgang des Verfahrens erleben?


Schon 2009, als die Hiobsbotschaft von den Pleitiers beim Wohlfahrtverband ans Licht kam, meldeten sich für 15 Prozent der Geschädigten die Erben. Wie es drei Jahre später aussieht, kann sich jeder vorstellen. Juristen und Verbraucherschützer kommen nicht umhin festzustellen: Die Volkssolidarität hat ein Gutteil ihrer Verfolger abgeschüttelt. Natürlich spricht das gegen den Verband und seine Blockadehaltung. Ebenso aber spricht es gegen die Justiz in Mecklenburg-Vorpommern. Vier Schadenersatzklagen wurden 2010 eingereicht. Dass die Verfahren am Landgericht Rostock und am Oberlandesgericht so langsam vorwärtskommen, muss den Geschädigten erscheinen, als würde ihnen ihr Recht verweigert. Geht es so weiter, belohnt Justitia die Verschleppungstaktik der Volkssolidarität. Das wäre ein Triumph der Ungerechtigkeit.

 
Ein Kommentar von Marlis Tautz

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Wenn Sie als Kapitalanleger Probleme haben, dann sind Resch Rechtsanwälte für Sie da.
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Referenzen

Jochen Resch mit Dr. Dr. Cay von Fournier im Interview über das Thema Exzellente Unternehmen.
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